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Der letzte DDR-Soldat hält stramm die Stellung

Döbeln - Wenn ein Wirt zum Leutnant wird ... Bei Thomas Eiffler (63) ist die Nationale Volksarmee (NVA) noch zu Hause. Er sammelt alles, was er an Utensilien des DDR-Militärs ergattern kann. Das liegt auch daran, dass er Betreiber des alten Militär-Casinos in Döbeln ist, das er liebevoll in „Strammer Leutnant“ umbenannt hat. Als Beitrag zur Stadtgeschichte. Hier bewirtete er bereits seit 1979 die NVA-Offiziere.
Der „Stramme Leutnant“ Thomas Eiffler (63) in seinem DDR-Museum.
Der „Stramme Leutnant“ Thomas Eiffler (63) in seinem DDR-Museum.

Döbeln - Wenn ein Wirt zum Leutnant wird ... Bei Thomas Eiffler (63) ist die Nationale Volksarmee (NVA) noch zu Hause. Er sammelt alles, was er an Utensilien des DDR-Militärs ergattern kann. Das liegt auch daran, dass er Betreiber des alten Militär-Casinos in Döbeln ist, das er liebevoll in „Strammer Leutnant“ umbenannt hat. Als Beitrag zur Stadtgeschichte. Hier bewirtete er bereits seit 1979 die NVA-Offiziere.

Bei schönem Wetter zieht Thomas Eiffler seine Uniform an, lädt ein paar Gäste in seinen Kübelwagen und chauffiert sie durch die Stadt. Das Trabant-Cabrio (Baujahr 1970) hört man schon von Weitem an seinem Zwei-Takt-Singsang. Immer wieder drehen sich die Leute um, salutieren und stehen stramm.

Thomas Eiffler: „Bei vielen heiße ich auch einfach Strammer Leutnant“. Vor 37 Jahren übernahm der gelernte Koch als Gaststättenleiter das alte Militärkasino in Döbeln. Damals gab es noch eine alkoholfreie Selbstbedienungs-Zone für normale Soldaten. Die Berufsoffiziere wurden in einem Extra-Raum immerhin mit Sternburg, Ur-Krostitzer oder Sachsenbräu bedient. Um 21 Uhr war in beiden Räumen Zapfenstreich.

Der Gastwirt arbeitete bis 1979 im alten Militärkasino.
Der Gastwirt arbeitete bis 1979 im alten Militärkasino.

In der Wendezeit, als die meisten NVA-Soldaten plötzlich ihr eigener Feind werden sollten, musste sich auch der Casino-Wirt umstellen. Ab Oktober 1990 machte er sich selbständig, und weniger später benannte er das Lokal in „Strammer Leutnant“ um. Eiffler: „Für Soldaten war das schon auch ein anregender Begriff“. Immerhin gab es nun auch für untere Dienstgrade Alkohol.

Und die Namenswahl erwies sich als Glücksgriff. Der Stramme Leutnant: „Damit haben wir bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal, unser Restaurant mit Pension wird im Internet prima gefunden.“ Und ist nun auch Ort für einige Reservistentreffen.

Aber auch für Militärhistoriker ist Döbeln inzwischen ein wichtiger Punkt auf der Landkarte. Denn im Keller des Kasinos hat Eiffler ein kleines NVA-Museum eingerichtet, dessen Schätze er den interessierten Fachleuten gerne präsentiert: Telefone, Feldspaten, Taschenlampen, Fahnen, Kochgeschirre oder Gasmasken - damals „Schnuffi“ genannt.

1888 erhielt Döbeln die Kaserne.
1888 erhielt Döbeln die Kaserne.

Dabei konnte er aus der alten Döbelner NVA-Kaserne nicht viel retten, lediglich einen Wandteppich mit Georgi Dimitroff aus dem Führungsspeiseraum. Der hängt jetzt neben Eiffels ganzen Stolz: einer Schaufensterpuppe mit der Gala-Ausführung eines Oberstleutnants, im Jargon „Sektuniform“. Die verfügt auch noch über den originalen Ehrendolch.

Bei seinen vielen NVA-Felduniformen achtet der stramme Leutnant auf Vollständigkeit vom Käppi über das Koppel bis zum Stiefel. Und er verweist auf die so genannte Ein-Strich-Kein-Strich-Tarnung: „Das gab es ausschließlich bei der ostdeutschen Armee - daran kann man eine NVA-Uniform sofort erkennen.“

Als politisches Statement will der Sammler seine Leidenschaft nicht verstanden wissen: „Man sollte Historie machen und Politik draußen halten. Die Dinge, die ich hier habe, verkörpern den Strammen Leutnant und seine Geschichte.“

Hunderte ehemalige NVA-Soldaten waren schon hier und erinnerten sich an ein Stück ihres Lebens ... www.strammer-leutnant.de

Alter NVA-Krempel ist wieder was wert

Die „Schnuffi“-Gasmaske und die typische Schirmmütze - ein Muss für NVA-Sammlungen.
Die „Schnuffi“-Gasmaske und die typische Schirmmütze - ein Muss für NVA-Sammlungen.

Direkt nach der Wende gab es einen Überfluss an alten DDR- und NVA-Untensilien - jeder gab sein neues Westgeld lieber für neue Sachen aus.

Inzwischen legen die Einzelstücke aber erheblich an Wert zu.

So war ein gut erhaltener Feldspaten vor 15 Jahren noch für drei Euro zu erhalten, nun legt man etwa 20 Euro auf den Trödlertisch. Ein Feldtelefon stieg von fünf auf 50 Euro. Und auf verschiedenen Trödelmärkten kann man noch so manches Schnäppchen machen.

Für private Sammler ist das aber noch immer erschwinglich. Thomas Eiffler: „Bei Stücken der Wehrmacht sind die Preise schon jenseits von Gut und Böse.“

Fotos: Holm Helis

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