Hier spaziert der Waffennarr seelenruhig durch die City

Limbach-Oberfrohna/Chemnitz - Noch immer fahndet die Polizei nach Hardy G. (29). Der Mann aus Hartmannsdorf bedrohte seine Ex-Freundin Silke K. (33) mit dem Tod, attackierte bereits ihren Vater (TAG24 berichtete). G. ist weiter auf der Flucht - bewaffnet mit einer halbautomatischen Selbstlade-Büchse "AR-15".

Um 9.45 Uhr schlenderte Hardy G. (29) seelenruhig durch die "Galerie Roter Turm". Das Center ist auch sonntags geöffnet, da sich in der dritten Etage ein Kino befindet.
Um 9.45 Uhr schlenderte Hardy G. (29) seelenruhig durch die "Galerie Roter Turm". Das Center ist auch sonntags geöffnet, da sich in der dritten Etage ein Kino befindet.  © Polizei

Als vollautomatische Version würde sie sogar unters Kriegswaffenkontrollgesetz fallen. Mehr als 100 Beamte durchkämmten gestern ein Waldgebiet an der A4 in Pleißa. Polizeihubschrauber, Spürhunde - bis zum Redaktionsschluss blieb die Suche ergebnislos.

Hardy G. wurde im Frühjahr die Waffenbesitzkarte entzogen, im April wurden seine Waffen beschlagnahmt.

Fatal: Er besaß weiterhin den elektronischen Zugangs-Code zum Waffenschrank seiner Eltern. Den Schrank öffnete er in der Nacht zu Sonntag. Den Code änderte er - erst Spezialisten der Polizei konnten den Tresor gegen 17 Uhr öffnen, um nachzuschauen, welche Waffen fehlten.

Da war G. bereits über alle Berge. Seine Flucht führte ihn nach Chemnitz - hier wurde er gegen 9.45 Uhr von einer Videokamera gefilmt. Gelbes Shirt, dunkle Hose, roter Plastikbeutel und eine dunkle Tasche.

Hardy G. (29) ist weiterhin auf der Flucht.
Hardy G. (29) ist weiterhin auf der Flucht.

Die Aufnahmen stammen aus der "Galerie Roter Turm". Hier fanden die Ermittler wenig später auch das Auto von Hardy G. in der Tiefgarage. Darin fand die Polizei nach Informationen von TAG24 eine weitere Waffe samt Munition. Bestätigen wollten die Fahnder das aber nicht.

Große Diskussionen gab es auch um die Informationspolitik der Behörden. Erst am späten Montagnachmittag wurden die Hintergründe des spektakulären Einsatzes bekannt.

Polizeisprecherin Jana Ulbricht (41): "Wir informieren dann, wenn es möglich ist. Das kann auch taktische Gründe haben."

Einer Öffentlichkeitsfahndung widersprach das Amtsgericht Chemnitz. Erst nach Beschwerde der Staatsanwaltschaft gab das Landgericht Chemnitz die öffentliche Suche frei.

Am Dienstagabend konzentrierte sich die Suche auf die Innenstadt von Limbach-Oberfrohna. Der Einsatz dauerte noch bis in die Nacht an (TAG24 berichtete).

Wer den extrem gefährlichen Verdächtigen gesehen hat, sollte sich bei der Polizei unter Telefon 0371/3873445 melden.

Kommentar: Opfer- vor Täterschutz

Es ist eine Zwickmühle. Die Interessen der Ermittler, die Paragrafen der Juristen - und eine Bevölkerung, die sich an der Nase herumgeführt fühlt, weil sie gar nicht oder zu spät informiert wird.

So geschehen im Fall des Sportschützen Hardy G. (29). Dass der Mann bewaffnet im Raum Limbach-Oberfrohna und Chemnitz auf der Flucht ist, erfuhr die Öffentlichkeit erst 31 Stunden später. Die Öffentlichkeitsfahndung erfolgte sogar mehr als 55 Stunden später. Solange blieben die Menschen in der betroffenen Region im Unklaren, in welcher Bedrohung sie leben.

So geht's nicht. Opferschutz muss vor Täterschutz gehen! Solange ein Irrer mit einer Schussswaffe in einer absoluten Stress-Situation auf der Flucht ist, gehören die potenziellen Opfer - sprich: die Bevölkerung - geschützt. Auch und vor allem mit Informationen.

Schweigen führt zu Gerüchten, Missverständnissen, Legendenbildung. Schweigen erstickt das letzte Stück Vertrauen in die Sicherheitsbehörden, in diesem Fall in die Justiz. Wenn man in einem Rechtsstaat kein Vertrauen mehr in die Justiz haben kann, dann kann man - salopp formuliert - den Laden auch zuschließen.

Polizisten sperren im Gewerbegebiet Pleißa die Straßen ab, Autofahrer müssen umdrehen.
Polizisten sperren im Gewerbegebiet Pleißa die Straßen ab, Autofahrer müssen umdrehen.  © Hendrik Schmidt
Auf den rot gekennzeichneten Suchbereich konzentrierten sich die Beamten gestern Nachmittag.
Auf den rot gekennzeichneten Suchbereich konzentrierten sich die Beamten gestern Nachmittag.  © Hendrik Schmidt
Spürhunde der Polizei waren ebenfalls im Einsatz.
Spürhunde der Polizei waren ebenfalls im Einsatz.  © Haertelpress

WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0