Waffennarr auf der Flucht! Vater fleht: "Junge, komm nach Hause"

Hartmannsdorf - Es ist der flehende Appell eines verzweifelten Vaters: "Junge, komm nach Hause. Deine Mutti und ich, wir stehen zu dir."

Matthias G. (66), Vater des gesuchten Hardy.
Matthias G. (66), Vater des gesuchten Hardy.  © Sven Gleisberg

Matthias G. (66) hat seit drei Tagen kaum ein Auge zugemacht - sein Sohn Hardy (29) ist auf der Flucht. Bewaffnet mit einem "AR-15"-Gewehr, gekränkt und wütend nach einer enttäuschten Liebe.

Matthias G. steht vor seinem Haus in Hartmannsdorf, auf dem Fußweg schauen schwer bewaffnete Polizisten aufmerksam in die Umgebung. Es nieselt.

Seit Sonntag suchen hunderte Polizisten nach dem bewaffneten Mann. Auslöser für die spektakuläre Flucht: Hardy G. verlor im Februar seine große Liebe, die Lehrerin Silke K. (33) aus Limbach-Oberfrohna. "Sie waren ein knappes Jahr zusammen. Er kümmerte sich rührend um ihre Zwillingstöchter, war glücklich. Für Hardy brach eine Welt zusammen, als die Beziehung zu Ende war", erzählt der besorgte Vater.

Wer die Beziehung beendete, warum - darüber gibt es mehrere Versionen. Danach begann ein Rosenkrieg - gegenseitige Beschuldigungen, von Bedrohungen gegen den Sohn wird auch berichtet. Die Familie der Ex-Freundin zeigte Hardy G. beim Ordnungsamt und der Polizei an. "Danach wurde ihm vorsorglich die Waffenbesitzkarte entzogen, seine Waffen gab er im April freiwillig ab. Er ist aber noch Mitglied im Schützenverein", betont Matthias. Der Vater der Ex-Freundin hingegen wurde wegen "unsportlichen Verhaltens" aus dem Verein ausgeschlossen.

Der Waffenschrank des Vereins steht im Wohnhaus des Vaters.
Der Waffenschrank des Vereins steht im Wohnhaus des Vaters.  © Sven Gleisberg

Die Fehde schwelte wochenlang: "Sie stellten meinen Sohn als Monster da. Das muss dann eskaliert sein." Seinen Rache-Feldzug schien Hardy G. aber genau geplant zu haben.

Denn offenbar hinterging Hardy G. seinen eigenen Vater, kam so an den elektronischen Code zum 500 Kilo schweren Waffenschrank des Vereins, der im Haus der Familie steht: "Am Sonntag war alles verstellt, der Code geändert. Die Kombination kannte aber nur ich, er muss mich ausspioniert haben. Vier Stunden dauerte es dann, bis der Schrank geöffnet war."

Da war Hardy G. schon lange verschwunden. Der Vater macht sich große Sorgen: "Er ist intelligent und clever, das wird sehr schwer, ihn zu finden." Nach der Grundausbildung in der Bundeswehr blieb er zwei Jahre länger in der Truppe, sammelte Kampferfahrung im Kosovo. Gefahr für Unbeteiligte sieht G. nicht: "Er ist auf die Familie seiner Ex-Freundin fixiert. Natürlich weiß man nie, was passiert, wenn er in die Enge getrieben wird."

Unter Tränen beteuert der angesehene Unternehmer: "Er war immer fleißig, hat nicht getrunken, nicht geraucht. Er ist jedem Streit aus dem Weg gegangen, hat sich nie geprügelt. Er ist kein Monster! Er wurde in diesen Wahnsinn regelrecht hineingetrieben. Hoffentlich passiert nichts Schlimmes."

Den Appell der Eltern unterstützt die Chemnitzer Polizei. Sprecherin Jana Ulbricht (41): "Der Gesuchte sollte sich bei uns melden, sich zu erkennen geben." Bisher stehen lediglich der Verdacht der Bedrohung und der Körperverletzung im Raum. Hinweise an die Polizei unter Tel.: 0371/387-3445 oder 110.

Am Dienstagabend konzentrierte sich die Suche auf die Innenstadt von Limbach-Oberfrohna.
Am Dienstagabend konzentrierte sich die Suche auf die Innenstadt von Limbach-Oberfrohna.  © Harry Härtel/Haertelpress