Tote Kalinka (†14): Stiefvater bleibt in Haft!

Straßburg/Lindau - Im deutsch-französischen Justizkrimi um den Tod des Mädchens Kalinka wird der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Donnerstag in Straßburg eine Entscheidung verkünden.

Kalinka starb mit 14 Jahren am Bodensee.
Kalinka starb mit 14 Jahren am Bodensee.  © DPA

Es geht darum, ob Dieter K., der deutsche Stiefvater der Toten, in Frankreich verurteilt werden durfte. Der 82 Jahre alte Mediziner sitzt bis heute in Frankreich im Gefängnis und sieht dadurch seine Menschenrechte verletzt.

Die 14 Jahre alte Französin Kalinka war 1982 tot im Haus von K. in Lindau am Bodensee gefunden worden. Die deutsche Justiz stellte Ermittlungen gegen den Arzt aus Mangel an Beweisen ein. Der leibliche Vater von Kalinka ließ K. aber nach Frankreich entführen, wo er zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Die französische Justiz sah es als erwiesen an, dass der Stiefvater das Mädchen sexuell missbrauchen wollte und ihr ein Beruhigungsmittel sowie eine tödliche Spritze gab.

K. wehrt sich vor den Straßburger Richtern gegen diese Verurteilung. Er sieht dadurch sein Recht verletzt, wonach er nicht wegen derselben Strafsache zweimal vor Gericht gestellt werden kann.

Sollte er Recht bekommen, müsste er nach Angaben einer Gerichtssprecherin freikommen.

Update 10.35 Uhr:

Kalinks deutscher Stiefvater Dieter K. bleibt in französischer Haft. Der Mediziner scheiterte am Donnerstag mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Die Straßburger Richter wiesen seine Beschwerde als unzulässig zurück (Az. 67521/14).

K. sah durch das Verfahren in Frankreich sein Menschenrecht verletzt, nicht wegen derselben Sache zweimal vor Gericht gestellt zu werden. Dieser Argumentation folgten die Straßburger Richter nicht. Deutschland und Frankreich hätten unabhängig voneinander gegen K. ermittelt. Das sei durch den entsprechenden Artikel in einem Zusatzprotokoll der Europäischen Menschenrechtskonvention nicht verboten.

Dieter K. im Jahr 2007 vor dem Landgericht im bayerischen Coburg.
Dieter K. im Jahr 2007 vor dem Landgericht im bayerischen Coburg.  © DPA

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