Lindenstraßen-Countdown! Ist die Serie zu öde fürs Erste?

Von Björn Strauss

Köln - Stell Dir vor, zwei mittelalterliche Frauen werden zu bitterbösen Rivalinnen - und das beim Plätzchenbacken! Eine Polizistin ist sprachlos, weil sie nach "heißen Nächten" tatsächlich schwanger wird. Und die Krönung (ACHTUNG SPOILER): Eine Transsexuelle darf ihr Bier NICHT auf dem weihnachtlichen Markt verkaufen... und die Frisöse schleudert sich Tabletten ein - Burn-out-Alarm!

Nach 34 Jahren soll es 2020 vorbei sein.
Nach 34 Jahren soll es 2020 vorbei sein.  © WDR

...inhaltlich wird genau das passieren in den nächsten Folgen (*bitte noch nicht einschlafen!) Wo? In der Lindenstraße!

Seit dem 16. November steht kein Stein mehr auf dem anderen in der alten TV-Straße. Zwischen all den Kulissen herrscht große Bedrücktheit. Das Aus der Wochenend-Seife, ähm -Soap, ist beschlossen (TAG24 berichtete). 2020 ist Schluss mit den zum Teil 34 Jahre lang zum Inventar gehörenden Figuren.

Dann heißt es, Kulissen abbauen, Verträge beenden und eine neue Sendung auf den beliebten Sende-Platz um PUNKT 18.50 Uhr im Ersten schieben (*🎶🎵düdel düddel düdel düüü 🎶🎵).

Mal ehrlich, das, was in den Gemäuern zwischen Lindenstraße Nummer 3 und 5 in Monaten geschieht, läuft in manch täglicher Soap in 13 Minuten zwischen zwei Werbeblöcken ab (*und das in Farbe mit flottem Ton). Alles, was zählt, sind eben gute Zeiten...

Schaut man partiell zurück in die Historie der einst (*quotig) beliebten Seifen-Oper, kann man noch ein gewisses Am-Puls-der-Zeit-sein erkennen:

Erster Kuss (*unter Männern), Mutter Beimer, AIDS wurde zum Thema, Nazi-Opas und -Omas sowie rechte Mädchen, Mutter Beimer, Suizide, Alkohol, die erste Shisha-Bar, Mutter Beimer, ein Bioladen, Gewalt gegenüber Frauen, Mutter Beimer, eingeblendete aktuelle Wahlergebnisse, Asylbewerber, Mutter Beimer... (*das alles und noch viel mehr).

Mutter Beimer (3. v. links und rechts) - hier in Trauer um Herrn Beimer, den es als Letzten weggerafft hatte. Bald stirbt die ganze Serie.
Mutter Beimer (3. v. links und rechts) - hier in Trauer um Herrn Beimer, den es als Letzten weggerafft hatte. Bald stirbt die ganze Serie.

Seit einiger Zeit aber wird's dem Zuschauer wohl zu öd in der Enge der Kulissen.

Wie sagte der Programmdirektor jüngst? Seit dem "Lindenstraßen"-Start habe sich die Gesellschaft stark verändert. Das Format der Lindenstraße "bilde diesen Wandel nicht ab", denn "Themen, die in der langlebigen Soap stattfinden, müssten in der heutigen TV-Landschaft anders umgesetzt werden", meinte Volker Herres in der FAZ.

Mutter Beimer (Marie-Luise Marjan - *oder umgekehrt?) sieht sich mit ihren 78 Jahren noch richtig modern aufgestellt. Schließlich steht sie in einer GRÜNEN Küche beim Spiegeleiern, wenn's mal wieder Problemchen gibt im Hausflur... oder eben ein Plätzchen anbrennt. Sie kann noch so viel Staub wischen - der Lack ist ab in der engen Gasse!

"Die ARD hat einen öffentlich-rechtlichen Auftrag. Wir zahlen Steuern dafür. Und wir müssen doch ein gehaltvolles Programm bekommen", erwähnt die Schauspielerin der ersten Stunde, und verwechselt zugleich die Gebühren bzw. Beiträge mit Steuern, die die Serie schluckt. Satte 180.000 Euro pro Folge bei gerade mal zwei bis drei Millionen Zuschauern...

Auch das Aufbäumen der Serien-Macher selbst, das Weinen mancher Z-Promis und die Petition einiger Fans haben bisher nichts bewirkt. Alles fließt, nicht nur Tränen - irgendwann ist alles eben alles mal vorbei (*🎶🎵düdel düddel düdel düüü 🎶🎵)...

Mutter Beimer kämpft noch immer. Wird es ein Kampf auf verlorenem Posten?
Mutter Beimer kämpft noch immer. Wird es ein Kampf auf verlorenem Posten?

Titelfoto: WDR

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