90 Prozent! Kretschmer ist neuer CDU-Chef in Sachsen

Michael Kretschmer (42) ist neuer CDU-Chef in Sachsen.
Michael Kretschmer (42) ist neuer CDU-Chef in Sachsen.  © DPA

Löbau - Michael Kretschmer (42) ist neuer Chef der sächsischen CDU. Ein Landesparteitag in Löbau wählte ihn überraschend deutlich mit 90 Prozent zum Nachfolger von Stanislaw Tillich (58).

Es hatte etwas von einer Krönungsmesse: Zum Generationswechsel bei der Sachsen-CDU gab´s ein Schaulaufen der Alt-CDU-Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (87) samt Gattin Ingrid (86) sowie Georg Milbradt (72) in der Messehalle Löbau.

Nach der desaströsen Bundestagswahl hatte Tillich seinen Rücktritt als Partei-Chef und Ministerpräsident angekündigt und Kretschmer als Wunschnachfolger benannt. Dieser soll am Mittwoch vom Landtag auch zum Regierungs-Chef gewählt werden. Nun gestärkt durch das eindeutige Votum - mit dem Kretschmer nach eigenem Bekunden selbst nicht gerechnet hat.

Denn nach der Bundestagswahl hatte es viel Gegrummel gegeben - erstmals war die CDU nicht mehr stärkste Kraft, wurde von der AfD überholt. Auch Kretschmer war nicht unumstritten, war er doch selbst als langjähriger Generalsekretär für das Wahlergebnis mitverantwortlich. Und er verlor seinen Wahlkreis an die AfD.

Für seine Bewerbungsrede erhielt er aber nun Standing Ovations – seine Werbetour an der Parteibasis trug offenbar Früchte. Streit? Nicht auf dem Parteitag. Kretschmer warb in seiner Rede für eine "gesellschaftliche Befriedung" beim Thema Flüchtlinge. Dies sei eine dringliche Aufgabe für eine neue Bundesregierung. Wenn eine Befriedung in dieser Frage gelinge, sei viel gewonnen. Dann entziehe man den Populisten viel Boden.

Kretschmer forderte unter anderem, den Familiennachzug bei Bürgerkriegsflüchtlingen weiter auszusetzen. Seine Partei forderte er auf, klar zu ihren Fehlern der letzten Jahre zu stehen. Das sei auf Bundesebene bisher nicht passiert. Aber auch in Sachsen sei eine Fehleranalyse nötig – etwa beim Dauerstreitthema Lehrer. Wenn notwendig, müsse auch das Instrument der Verbeamtung miteinbezogen werden, um die besten Lehrer in Sachsen zu halten.

Und Tillich? Er räumte in seiner Abschiedsrede als Partei-Chef ein, Entscheidungen getroffen zu haben, die korrigiert werden müssten. Welche, führte er nicht aus. Sein Fazit: „In Summe können wir sagen: Sachsen steht heute besser da als vor zehn Jahren.“ Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (63, CDU) appellierte eindringlich an die Sachsen-CDU, Kretschmer jetzt nicht allein mit allen Problemen zu lassen. „So wird das nämlich nichts.“

Titelfoto: DPA


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