Vloggerin wünscht sich mehr Toleranz von Türkischstämmigen

Löhne - "Integration bedeutet für mich nicht, seine kulturellen und traditionellen Werte abzulegen", leitet Vloggerin Nihan (27) ihren Beitrag für den YouTube-Kanal "Germania" ein.

Seit 2012 produziert Nihan ihre eigenen YouTube-Videos.
Seit 2012 produziert Nihan ihre eigenen YouTube-Videos.  © YouTube/Germania

Auf dem Channel soll "ein aktuelles Portrait von Deutschland" gezeichnet werden "– und das ausschließlich durch die Augen von Menschen mit Migrationshintergrund", wie es in der Kanalinfo heißt. Im Fokus stünde dabei nicht eine Flüchtlingsdebatte, "sondern der Fakt, dass Deutschland längst ein Einwanderungsland ist und wir schon lange in einer multikulturellen Gesellschaft leben".

Die 27-jährige YouTuberin hat selbst türkische Wurzeln. Mit ihrem Ehemann Tayfun lebt sie in der ostwesfälischen Kleinstadt Löhne (TAG24 berichtete). Für sie sei Integration, wenn die kulturellen und traditionellen Werte ein Teil des neuen Heimatlandes werden, erzählt sie.

"In den 60ern kam mein Opa als Gastarbeiter nach Deutschland", berichtet sie von ihrer Geschichte. Irgendwann seien auch ihr Vater und ihre Mutter hierhergekommen. "Und so bin ich dann irgendwann entstanden und bin auch sehr glücklich darüber."

2012 eröffnete sie ihren YouTube-Channel. Seitdem drückten bereits mehr als 820.000 Menschen den Abo-Button. "Meine Fan-Base besteht, glaube ich, aus einem großen Teil türkischstämmiger Personen, weil sie sich wahrscheinlich einfach angezogen fühlen von mir."

Das macht sie vor allem anhand der Kommentare fest, in denen häufig türkischstämmige User schreiben. "Toleranz wünscht man sich sehr oft. Auch gerade von den Leuten, die meistens türkischstämmig sind. Es wird mir schon oft vorgeworfen, dass ich zu deutsch bin - was auch immer das heißen mag."

Die 27-Jährige könnte sich nicht entscheiden, welches Land ihr wichtiger ist: die Türkei oder Deutschland. Beide seien für sie Heimat.
Die 27-Jährige könnte sich nicht entscheiden, welches Land ihr wichtiger ist: die Türkei oder Deutschland. Beide seien für sie Heimat.  © YouTube/Germania

Kritik bekommt sie beispielsweise, wenn sie an Weihnachten einen Tannenbaum aufstellt und das christliche Fest feiert, berichtet Nihan. Gerade das scheinen einige nicht akzeptieren zu können. "Es gibt auch Morddrohungen oder Menschen, die Dir den Tod wünschen", erzählt die Vloggerin von ihren Erfahrungen.

Sie selbst könne aber gar nicht zu 100 Prozent türkisch sein, "weil ich es nicht bin". Dazu müsse sie in der Türkei geboren sein, was sie de facto nicht ist. Umgekehrt sei es zudem so, dass Türkischstämmige, die in die Türkei reisen, dort ebenfalls nicht 100-prozentig türkisch seien.

"Deswegen kann ich nur das sein, was dieses Land aus mir formt. Wobei ich trotzdem verstehe, warum dieser Unmut entsteht. Die Menschen haben Angst, die kulturellen Werte und Traditionen aufzugeben."

Die 27-Jährige sieht das anders. Sie gebe ihre Werte und Traditionen nicht auf. Stattdessen würden die sich mit der Zeit einfach verändern, ist Nihan überzeugt. Sie lebt nach dem Motto: "Alles, was einen glücklich macht, sollte man leben dürfen, ohne verurteilt zu werden oder dass einem der Tod gewünscht wird."

Die YouTuberin betont, dass sie niemanden zwingen wolle, ihr Leben zu tolerieren. "Wenn sie mich mögen, sollen sie es tolerieren. Wenn nicht, dann sollen sie woanders hingucken."

Verstellen möchte sie sich nicht, um akzeptiert zu werden. Sowohl ihre türkische als auch ihre deutsche Heimat bedeuten für sie viel. "Aber ich kann nicht sagen, Deutschland oder die Türkei ist für mich wichtiger. Ich liebe beides."

Titelfoto: YouTube/Germania


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