Rettet ein Sachse VW aus der Krise?

Matthias Müller (62, li.) aus Limbach-Oberfrohna bei Chemnitz/Karl-Marx-Stadt steht bereit. Hier auf der IAA mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (61, re.).
Matthias Müller (62, li.) aus Limbach-Oberfrohna bei Chemnitz/Karl-Marx-Stadt steht bereit. Hier auf der IAA mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (61, re.).

Von Bernd Rippert

Zwickau/chemnitz – Die einstige deutsche Autohauptstadt Chemnitz könnte bald wieder „Das Auto“ führen. Nach Medienberichten steht VW-Vorstandsboss Martin Winterkorn (68) wegen der „Dieselgate“-Affäre noch an diesem Freitag vor seiner Entlassung. Nachfolger könnte der gebürtige Chemnitzer und Porschechef Matthias Müller (62) werden.

Wegen der Manipulationen mit dem Abgasausstoß der Dieselfahrzeuge in den USA ist die VW-Aktie innerhalb von zwei Tagen um 40 Prozent abgestürzt. Die Spekulationen verdichten sich, dass Martin Winterkorn für diesen Skandal seinen Kopf hinhalten muss.

Bisher dementiert Volkswagen diese Meldungen noch als „Schwachsinn“.

Doch die Berliner Zeitung „Tagesspiegel“ schreibt jetzt mit Berufung auf VW-Aufsichtsratskreise, dass der bisherige VW-Chef am Freitag gehen müsse und durch Matthias Müller ersetzt werde.

Nach dem VW-Skandal am Boden? Martin Winterkorn (68).
Nach dem VW-Skandal am Boden? Martin Winterkorn (68).

Am Mittwoch tagt zunächst das Präsidium des VW-Aufsichtsrates, am Freitag dann das ganze Kontrollgremium. Eigentlich sollte an diesem Freitag der Vertrag von Martin Winterkorn verlängert werden. Jetzt droht die Kehrtwende.

Der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller sitzt seit März auch im VW-Vorstand. Während der Fehde zwischen Alt-Chef Ferdinand Piech und Martin Winterkorn im März heizte Müller die Spekulationen um seine mögliche Nachfolge auf den Chefsessel selbst an mit dem Satz „Ich schließe nichts aus und bin für nichts zu alt“.

Matthias Müller wurde noch in Limbach-Oberfrohna bei Karl-Marx-Stadt geboren. Doch seine Eltern gingen früh in den Westen, nach Bayern. Der Chemnitzer machte ab 1972 eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei Audi und legte danach eine beeindruckende Karriere hin: 2003 Chef der VW-Markengruppe Audi/Seat/Lamborghini, 2007 Generalbevollmächtigter bei VW, 2010 Chef von Porsche, 2014 Absatzrekord bei Porsche.

Derzeit befindet sich Matthias Müller übrigens in der VW-Zentrale in Wolfsburg. Vielleicht verlängert er seinen Aufenthalt dort bis Freitag – und dann auf unbestimmte Zeit.

Angela Merkel fordert rasche und volle Aufklärung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (61, CDU)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (61, CDU)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (61, CDU) hat eine rasche und volle Aufklärung der Abgas-Manipulationen des Volkswagen-Konzerns gefordert. Merkel sprach sich "angesichts der schwierigen Lage" für "volle Transparenz" aus und forderte am Dienstag in Berlin: "Ich hoffe, dass möglichst schnell die Fakten auch auf den Tisch kommen."

Es sei richtig, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zusammen mit dem Kraftfahrzeugbundesamt die notwendigen Gespräche führe. Dies sei der einzige Weg, um auch Transparenz zu erreichen.

"Insofern sind alle notwendigen Maßnahmen an dieser Stelle eingeleitet - aus meiner Sicht, soweit ich das übersehen kann", sagte Merkel. Zu möglichen Auswirkungen des Skandals auf die deutsche Industrie äußerte sich die Kanzlerin nicht. VW hatte Abgas-Manipulationen an Dieselfahrzeugen in den USA zugegeben.

Fotos: imago, dpa


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