Boris Becker: Wie ihn das ärmste Land der Welt aus der Pleite retten soll

London - Kann sich Tennis-Legende Boris Becker (50) mithilfe diplomatischer Immunität einem Insolvenzverfahren in London entziehen? Seine Anwälte meinen es offensichtlich ernst damit.

Für Boris Becker ist die Sache klar: Das Insolvenzverfahren gegen ihn bezeichnet er als "vollkommen unnötig".
Für Boris Becker ist die Sache klar: Das Insolvenzverfahren gegen ihn bezeichnet er als "vollkommen unnötig".  © Daniel Reinhardt/dpa

Becker hatte im April mitgeteilt, dass er von der Zentralafrikanischen Republik zum Sonderattaché für Sport und kulturelle Angelegenheiten in der Europäischen Union ernannt worden sei. Der Posten sei ein Ehrenamt.

Nun haben Beckers Anwälte einen Antrag beim High Court in London gestellt, das Insolvenzverfahren gegen ihn wegen der diplomatischen Immunität ihres Mandaten bis auf Weiteres zu stoppen. Das teilte die Londoner Kanzlei Sal & H mit.

Becker könne ohne die Zustimmung der Zentralafrikanischen Republik keinem rechtlichen Verfahren unterworfen werden, so die Anwälte. Außerdem bedürfe es dafür der Zustimmung des britischen Außenministers Boris Johnson und seines zentralafrikanischen Amtskollegen.

Ob die Argumentation der Becker-Anwälte vor dem Gericht in London verfängt, ist unklar.

Er kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus: Erst die Trennung von Lilly Becker, jetzt ein erneuter Rechtsstreit.
Er kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus: Erst die Trennung von Lilly Becker, jetzt ein erneuter Rechtsstreit.

Das belgische Außenministerium wollte Beckers Status als Sonderattaché am Freitag nicht bestätigen. Man mache grundsätzlich keine Angaben zu Einzelfällen, sagte ein Sprecher auf Anfrage der dpa.

In einer Stellungnahme auf Englisch rechtfertigt Becker den Schritt. Er sei Opfer einer "Farce" geworden, klagt er. Ein "Haufen anonymer und unverantwortlicher Banker und Bürokraten" habe ihm in ein "vollkommen unnötiges" Insolvenzverfahren aufgezwungen. Er habe dadurch "eine Menge Schaden" erlitten, "sowohl finanziell als auch professionell", schreibt die Tennis-Legende.

Und Becker will auch zum Gegenschlag ausholen: "Ich werde diejenigen verfolgen, die diesen Prozess erzwungen haben und sie öffentlich verantwortlich machen für ihre Taten." Auf seine Ernennung zum Sport- und Kulturattaché sei er "immens stolz", so Becker.

Der Krisenstaat Zentralafrikanische Republik gilt einem umfassenden UN-Index zufolge als das ärmste Land der Welt. Auch nach Ende des Bürgerkriegs 2013 kommt es immer wieder zu neuen Kämpfen.

Titelfoto: Daniel Reinhardt/dpa


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