Diesen bösen Trick wenden Airlines an, damit Fluggäste mehr bezahlen

London - Europäische Fluglinien stehen zunehmend in der Kritik über die Praxis ihrer Sitzplatzvergabe. Demnach sollen die großen Airlines, allen voran Ryanair, Algorithmen nutzen, um Familien, die nicht extra dafür zahlen, nebeneinander zu sitzen, absichtlich zu trennen.

Wer zusammensitzen will, muss bei vielen Fluggesellschaften extra zahlen.
Wer zusammensitzen will, muss bei vielen Fluggesellschaften extra zahlen.  © 123RF

In England beschäftigt sich sogar schon das Parlament mit diesen Vorgängen. Die britische Informationsministerin Margot James bezeichnet diese Praxis, Passagiere mehr oder weniger dazu zu zwingen, für ihre Sitzplatzwahl extra zu zahlen, als "ausbeuterisch".

Die eingesetzte Software sei "ein sehr zynisches, ausbeuterisches Mittel, um die breite Öffentlichkeit zu überlisten". Fluggesellschaften hätten einen Algorithmus eingerichtet, um Passagiere mit demselben Nachnamen zu identifizieren, die zusammen reisen wollen und diese dann auseinanderzusetzen, wenn sie nicht zahlen.

Zum ersten Mal fiel diese Praxis Passagieren im Juni 2017 auf, wobei Ryanair am häufigsten damit in Verbindung gebracht wurde, berichtet der Independent.

Allerdings bestreitet Ryanair, eine der größten Fluggesellschaften Europas, dass sie etwas an der Sitzverteilung geändert hätten. Sie bestehen darauf, dass alles beim Alten ist. Wer nicht für die Sitzplatzwahl zahlt, wird "zufällig" zugewiesen.

Familien die nicht extra zahlen werden oft absichtlich auseinandergesetzt.
Familien die nicht extra zahlen werden oft absichtlich auseinandergesetzt.  © 123RF

Die Zivilluftfahrtbehörde (CAA) von Großbritannien untersucht seit über einem Jahr das Problem der Sitzplatzverteilung.

Die jüngste Studie, die im Oktober 2018 veröffentlicht wurde, zeigte deutlich diese Praxis. Allerdings unterscheiden sich die Fluggesellschaften deutlich darin, wie stark sie diese anwenden.

In einer Umfrage unter 4296 Personen, die in einer Gruppe geflogen sind, stellte die CAA fest, dass Reisende am wahrscheinlichsten auseinandergesetzt würden, wenn sie mit Ryanair flogen.

Bei Flybe und TUI Airways waren es nur zwölf Prozent der Reisenden.

Dieses Vorgehen kann im Ernstfall sogar zu ernsten Sicherheitsproblemen führen. Wie in einem Bericht "Notevakuierung von Passagierflugzeugen" steht, sei es wichtig, dass Familienmitglieder in Notsituation zusammen sitzen.

Tun sie es nicht, kann das schnelle Evakuierungen von Flugzeugen behindern. Vor allem weil Eltern ihren Kindern in diesen Situationen nicht helfen könnten.

Die britische Regierung kündigte an, gegen die Algorithmen zum Passagiere-Ausseinandersetzen mit neuen Datenschutzrichtlinien vorgehen zu wollen.

Titelfoto: 123RF


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