Gefährlicher Schwanzvergleich! Penis schuld am Klimawandel

"Vergewaltigung der Natur durch eine männlich dominierte Mentalität." Ach so ...
"Vergewaltigung der Natur durch eine männlich dominierte Mentalität." Ach so ...  © 123rf.com/goinyk/jlende

London - Ähm, Penis was? "Das Konzept des Penis würde besser nicht als anatomisches Organ verstanden, sondern als ein soziales Konstrukt, isomorph zur performativen toxischen Maskulinität." Wissenschaftler fallen auf falsche Penis-Studie rein!

Ich versteh' nur Penis, werdet Ihr jetzt denken. Und mehr muss man auch nicht verstehen. Denn der Aufsatz, der mit diesen Worten beginnt, ist eine Quatsch-Studie, mit der zwei Wissenschaftler unter falschen Namen eine Fachzeitschrift mal so richtig veräppelt haben.

Konkret geht es in dem Fake-Aufsatz um eine Studie, wonach der Penis die treibende Kraft beim Klimawandel ist: "Destruktive, unnachhaltige, hegemoniale, männliche Einstellungen, Umweltpolitik zu prägen, sind das vorhersehbare Resultat einer Vergewaltigung der Natur durch eine männlich dominierte Mentalität." Und vor allem "jungfräuliche Landschaften" würden "billig ausgebeutet" werden.

Das klang für die Fachleute des Magazins "Cogent Social Sciences" plausibel. Denn die bizarre These und die erfundenen Quellen hörten sich in ihrem völlig überzogenen Experten-Slang so glaubwürdig an, dass die Verantwortlichen zustimmten, den haarsträubenden Beitrag zu veröffentlichen.

Den Prüfern war also nicht aufgefallen, dass die Studie überhaupt keinen Sinn macht und einzelne zitierte Studien und angebliche Referenz-Zeitschriften erfunden waren.

Im Gegenteil. Nach eigenen Aussagen begutachten sie jeden Beitrag vor Veröffentlichung nach dem "höchsten Standard" und lehnen sogar Manuskripte ab, deren Anspruch darunter liegt. Schließlich handelt es sich bei der "Taylor & Francis Group", die das Fachblatt herausgibt, um einen großen, internationalen Wissenschaftsverlag.

Den Fake-Aufsatz lobten sie für die fundierten Ergebnisse in höchsten Tönen.

"Dabei war es nichts weiter als 3000 Wörter vollkommenen Unsinns. Unser Aufsatz hätte niemals publiziert werden dürfen", sagen die beiden Urheber, der Philosoph Peter Boghossian und der Mathematiker James Lindsay.

Stichworte wie "Männerausbreitung" und "Schwanzvergleich-Wettbewerbe" hätten die Experten überzeugt.

Bislang hat sich die Taylor & Francis Group" nicht zu dem Vorfall geäußert.

Süßes Verlangen: Bei einer Diät ist die Extraportion Schokolade nicht zielführend.
Süßes Verlangen: Bei einer Diät ist die Extraportion Schokolade nicht zielführend.  © Christin Klose/dpa-tmn

Zuletzt hatte ein ähnlicher Fall 2015 für Aufregung gesorgt. Damals hat das "Institute of Diet and Health" in Mainz mit einer Studie behauptet, dass Schokolade beim Abnehmen hilft.

Die Ergebnisse wurden im Londoner Wissenschaftsmagazin "International Archives of Medicine" veröffentlicht. Auch hier sind die Experten in die Falle getappt - die Studie war ein Fake.

In dem Fall blieben sie aber nicht die Einzigen. Denn die Sensation einer Schokoladen-Diät machte weltweit die Runde! Journalisten unter anderem aus Australien, den USA, Russland, Indien und sogar Nigeria stürzten sich auf das Thema. In Deutschland schmeckte der Bild-Zeitung die Nachricht so gut, dass sie ein Titelthema daraus machte.

Eine Debatte über intellektuelle Standards in den Sozial- und Geisteswissenschaften hatte erstmals 1996 der Quatsch-Artikel des Physikers Alan Sokal ausgelöst. "Die Quantengravitation als linguistisches und soziales Konstrukt", erschienen in "Social Text", hatte er in postmodernem Jargon formuliert und absichtlich zahlreiche logische und inhaltliche Fehler eingestreut, die den Redakteuren jedoch nicht auffielen. In der Schlussredaktion hat nicht einmal ein Physikexperte den Text gelesen.

Der Fall löste die Sokal-Affäre aus: In der Diskussion stand unter anderem der geringe intellektuelle Anspruch bei der Bewertung pseudowissenschaftlicher Artikel und deren sinnlose Verwendung zu Lehrzwecken.

Ähnlich ist es bei der aktuellen Fake-Studie: Das betroffene Fachmagazin veröffentlicht Beiträge nur gegen Bezahlung. Unter dem finanziellen Anreiz können wissenschaftliche Ansprüche schon mal hinten runter fallen und Blödsinn als Wissenschaft durchgehen.

Dadurch können Betrüger zu ernst zu nehmenden Wissenschaftler werden - schließlich publizieren sie in anspruchsvollen und glaubwürdigen Fachmagazinen ...

Titelfoto: 123rf.com/goinyk/jlende


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