Vorsicht, Juden! Dieses Schild sorgt für Empörung

Dieses Schild in Stamford Hill sorgte für riesige Empörung.
Dieses Schild in Stamford Hill sorgte für riesige Empörung.  © Screenshot/twitter

London - Zunächst gab es ungläubige Blicke, dann wurde die Empörung immer größer: Ausgerechnet in Stamford Hill, einem Viertel in London, in dem viele jüdische Bürger leben, tauchte am Dienstagabend ein zunächst offenbar rassistisches Schild auf.

Denn irgendjemand hatte das "Achtung, Vorfahrt"-Schild in ein "Achtung, Juden"-Schild umgewandelt. Und das auch noch an dem Tag, den dem die jüdische Gemeinde das Purim-Fest feiert und damit der Rettung persischer Juden gedenkt.

Die Empörung vor Ort und natürlich in den sozialen Netzwerken war riesengroß. Kurz nachdem das Schild entdeckt wurde, ließ es die Polizei noch in der Nacht entfernen. Am Mittwochmorgen hieß es dann, dass ein klarer Fall von Antisemitismus vorliegt und nun aufgrund eines Verbrechens, dass den Hass gegenüber der Religion zum Ausdruck bringt, ermittelt wird.

Ein Sprecher der "Shomrim North & East London" sagte: "Dieses Zeichen hat bei unseren jüdischen Bewohnern der Stadt jede Menge Sorgen ausgelöst. Vor allem, weil es in einer solchen Nähe zu einer Synagoge aufgehängt wurde."

Später stellte sich heraus, dass es sich um ein Kunstprojekt handelt und der Fotograf noch mehr "Warnschilder" verbreitet hatte.
Später stellte sich heraus, dass es sich um ein Kunstprojekt handelt und der Fotograf noch mehr "Warnschilder" verbreitet hatte.  © Screenshot/twitter

Allerdings wurde die Geschichte dann richtig kurios, als im Umkreis und auch den sozialen Medien weitere solcher Warnschilder auftauchten.

Auf denen waren dann nicht vermeintliche Bürger jüdischen Glaubens abgebildet, sondern eine alte Frau, die einen bei Rentnern beliebten Einkaufskorb hinter sich her zieht, ein Mann in einem Rollstuhl und eine übergewichtige Person.

Langsam wurde klar, dass es sich bei den Schildern nicht wirklich um eine Beleidigung oder einen Angriff handelte, sondern ein Kunstprojekt dahinter steckte.

Künstler Franck Allais bekannte sich zu der Aktion und entschuldigte sich in aller Form. "Es war ein Projekt, dass das Überqueren der Straße im Fokus hatte. Es sollte darstellen, wie unterschiedlich jeder Mensch ist, jeder seine eigene Identität hat. Es gibt nicht nur dieses eine Zeichen auf der Straße, ich habe mehrere aufgehängt und ich entschuldige mich für jegliche Beleidigung, die diese Bilder offenbar hervorgerufen haben", sagte er gegenüber "The Guardian".

Der freischaffende Fotograf hatte nach eigenen Angaben die Menschen in dem Viertel eine Weile beobachte und anhand dessen die Bilder entworfen. Dass er damit die rund 30.000 in Stamford Hill lebenden Juden so angreifen würde, war ihm nicht bewusst.


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