Sie arbeiten das NS-Grauen auf: Nazijäger finden jährlich 30 Verdächtige

Ludwigsburg - Die Suche der Justiz nach Nazi-Verbrechern im In- und Ausland geht nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Jens Rommel in Ludwigsburg weiter - selbst wenn die Wahrscheinlichkeit dramatisch sinkt, noch lebende Verdächtige zu finden.

Jens Rommel leitet die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen. (Archivfoto)
Jens Rommel leitet die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen. (Archivfoto)  © DPA

Wie lange die Zentrale Stelle der Länder zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen noch weitermache, sei eine politische Entscheidung, sagte Rommel der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

Doch selbst, wenn Ludwigsburg seine Arbeit irgendwann einstelle, seien weitere Verfahren möglich. Schließlich verjähre Mord nicht.

Aktuell konzentriere man sich auf die verschiedenen Lager der Nazis. Nachdem im vergangenen Jahr mehrere Fälle aus den einstigen Konzentrationslagern Ravensbrück, Mauthausen und Buchenwald an die Staatsanwaltschaften gegeben wurden, versuche man in diesem Jahr speziell in Sachsenhausen, Groß-Rosen und Mittelbau Verantwortliche für Nazi-Gräuel benennen zu können.

Wenn überhaupt, lasse sich Mord oder Beihilfe zum Mord in einer Lagerorganisation eher nachweisen, erklärte Rommel. Zudem seien die NS-Schergen dort damals vergleichsweise jung gewesen - womit die Wahrscheinlichkeit steige, dass sie überhaupt noch leben.

Das KZ Sachsenhausen: Die Nazijäger wollen in diesem Jahr etwa Verantwortliche benennen können, die hier ihr Unwesen trieben. (Archivbild)
Das KZ Sachsenhausen: Die Nazijäger wollen in diesem Jahr etwa Verantwortliche benennen können, die hier ihr Unwesen trieben. (Archivbild)  © DPA

Rommel und 20 Mitarbeiter, darunter sieben Staatsanwälte, führen Vorermittlungen etwa in Archiven auch im Ausland. Die Zentrale Stelle in Ludwigsburg gibt ihm zufolge Jahr für Jahr rund 30 Fälle an die zuständigen Staatsanwaltschaften weiter.

Anklagen kann dann erst die zuständige Staatsanwaltschaft, entweder am Ort des ehemaligen Lagers oder am Wohnort des Verdächtigen.

Meist komme es nicht zu einer Anklage, weil die mutmaßlichen Täter längst deutlich älter als 90 Jahre und meist gar nicht mehr verhandlungsfähig sind. Dennoch laufen aktuell vier Gerichtsverfahren gegen ehemalige KZ-Aufseher: zwei in Münster, eins in Frankfurt und eins in Mannheim.

Nach der Abschiebung eines früheren SS-Manns aus den USA hatte Rommel am Dienstag mitgeteilt, dass es keine neuen Ermittlungen in Deutschland geben werde. Das gegen den Mann geführte Verfahren wegen Beihilfe zum Mord sei Mitte 2016 aus Mangel an Beweisen von der Staatsanwaltschaft Würzburg eingestellt worden.

Sollten sich keine neuen Beweise ergeben, bleibe der 95-Jährige ein "nicht mehr Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren in Deutschland".


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