Fünf Menschen starben bei BASF-Explosion: Hatte Schweißer einen Blackout?

Frankenthal/Ludwigshafen - Meterhoch schießen an jenem Vormittag im Herbst 2016 die Flammen auf dem Gelände des Chemie-Riesen BASF in Ludwigshafen empor.
 Überall Feuer: Das BASF-Gelände am 17. Oktober 2016.
Überall Feuer: Das BASF-Gelände am 17. Oktober 2016.  © DPA

Die Werksfeuerwehr und Rettungskräfte eilen zu dem Brandherd, als die Tragödie ihren Lauf nimmt. Eine verheerende Explosion kostet fünf Menschen das Leben, 44 werden verletzt.

Am kommenden Dienstag will das Landgericht Frankenthal sein Urteil gegen einen 63 Jahre alten Schweißer sprechen, der für das Unglück verantwortlich sein soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann in dem Verfahren vor, bei Reparaturarbeiten in einer Art Blackout eine falsche Leitung angeschnitten und so die Tragödie verursacht zu haben. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung, Körperverletzung und das fahrlässige Herbeiführen einer Explosion. Nach dem Schnitt in die Leitung war die Katastrophe nach Auffassung der Ankläger nicht mehr zu verhindern.

Die Flammen hätten weitere Leitungen bersten lassen, schließlich kam es zu Explosionen während die Rettungskräfte vor Ort waren. Vier Mitarbeiter der Werksfeuerwehr und ein Matrose eines Tankmotorschiffs wurden getötet oder erlagen später ihren schweren Verletzungen.

Seit dem 5. Februar wurde das Unglück vor dem Landgericht aufgearbeitet. Am kommenden Dienstag, dem 28. Verhandlungstag, soll nun das Urteil gesprochen werden. Nach Angaben des Sprechers des Landgerichts, Christian Bruns, gab es 28 Zeugenaussagen. Neun Sachverständige steuerten ihr Expertenwissen bei.

Angeklagter erinnert sich an nichts

 Löscharbeiten auf dem Gelände.
Löscharbeiten auf dem Gelände.  © DPA

Denn laut Bruns gab es ein Grundproblem: "Es war keiner dabei, es gab keinen Augenzeugen." Auch der Angeklagte habe keine Erinnerung. "Es musste versucht werden, die Vorgänge im technischen Bereich zu rekonstruieren."

Der 63 Jahre alte Angeklagte aus Bosnien-Herzegowina sagte im Prozess aus, keinerlei Erinnerung zu haben, nicht einmal daran, dass er selbst in Flammen gestanden habe.

"Ich habe mich eine Million Mal gefragt, wie es dazu kommen konnte, aber ich habe keine Antwort", sagte er an einem Prozesstag. Er sei an jenem 17. Oktober ganz normal und gesund zur Arbeit erschienen.

Sein Verteidiger forderte denn auch am Mittwoch einen Freispruch oder im Falle einer Verurteilung eine Bewährungsstrafe von maximal sechs Monaten. Er sieht auch eine Mitverantwortung von BASF wegen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen und Rohrisolierungen. Die Staatsanwaltschaft will eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, die auch zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Für die Nebenkläger sind diese Strafen nicht hoch genug. Sie wollen zweieinhalb Jahre Haft, eine Strafe darunter sei für die Opfer und die Öffentlichkeit nicht darstellbar. Anwalt Alexander Klein sieht auch klar eine Mitverantwortung des Chemie-Riesen.

"Uns geht es darum, wer letztendlich verantwortlich ist. Diese Leitungen hatten keinen Brandschutz und waren für Temperaturen von 50 Grad ausgelegt", sagte Klein der Deutschen Presse-Agentur. Klein vertritt die Eltern eines getöteten Feuerwehrmanns, ein Kollege die Interessen einer Witwe und von drei Feuerwehrleuten.

"Es gab mehrere Versäumnisse", sagte Klein zur BASF-Anlage. Sollte das Gericht in seinem Urteil eine Mitverantwortung von BASF sehen, werde er prüfen, ob er hier strafrechtlich vorgehen werde. Um eine Entschädigung ginge es nicht. "Meine Mandanten streben keine Schmerzensgeldzahlungen an."

Titelfoto: DPA

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