Angriff in Lübecker Linienbus: Sollten 48 Menschen sterben?

Lübeck - Knapp ein halbes Jahr ist es nun her, dass in einem Lübecker Linienbus zwölf Menschen bei einer Messerattacke verletzt wurden (TAG24 berichtete). Der mutmaßliche Angreifer steht ab Mittwoch, 9. Januar, vor Gericht.

Ein Polizeiband im Stadtteil Kücknitz sperrt die Straße hinter dem Linienbus ab.
Ein Polizeiband im Stadtteil Kücknitz sperrt die Straße hinter dem Linienbus ab.  © DPA

Bislang schweigt der Mann allerdings. Eine Gutachterin sagt, er habe vermutlich im Wahn gehandelt.

Dem 34-Jährigen wird unter anderem versuchter Mord in 48 Fällen vorgeworfen.

Der Deutsch-Iraner soll am 20. Juli 2018 in einem Linienbus Feuer gelegt und mit einem Messer wahllos auf Fahrgäste eingestochen haben. Der Staatsanwaltschaft zufolge zündete der 34 Jahre alte Mann in dem Bus der Linie 30 mehrere Spiritusflaschen in seinem Rucksack an. Dann stach er mit einem Küchenmesser auf Umstehende ein. Dabei wurden zwölf Menschen verletzt, für eines der Opfer bestand Lebensgefahr.

Der Mann konnte schließlich vom Busfahrer und mehreren Fahrgästen überwältigt und der Polizei übergeben werden.

Zuvor hatte der 34-Jährige den Angaben zufolge bereits den Busfahrer angegriffen, als der versuchte, das Feuer zu löschen. Der Fahrer hatte im Rückspiegel den Qualm bemerkt, das Fahrzeug gestoppt und die Türen geöffnet, um die Fahrgäste aussteigen zu lassen.

Sein umsichtiges Handeln habe möglicherweise Schlimmeres verhindert, sagte Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) nach der Tat (TAG24 berichtete).

Der betroffene Linienbus wird am Abend vom Tatort abgeschleppt.
Der betroffene Linienbus wird am Abend vom Tatort abgeschleppt.  © DPA

Der mit 48 Personen besetzte Bus war auf dem Weg von Lübeck nach Travemünde, wo am Abend die Travemünder Woche eröffnet werden sollte.

Wirre Äußerungen des Beschuldigten nach seiner Festnahme und Ermittlungen in seinem Umfeld führten bald zu dem Verdacht, dass der 34-Jährige psychisch krank sein könnte. Das wurde durch das vorläufige Gutachten einer Sachverständigen bestätigt, die von einer paranoiden Schizophrenie und einer dadurch bedingten Schuldunfähigkeit ausging.

"Nach diesen Erkenntnissen gehen wir davon aus, dass sich der Beschuldigte in seinem Wahn einer Verschwörung ausgesetzt sah. Die wollte er beenden, indem er einen Bus in Brand setzt und alle Insassen des Busses tötet", sagte die Lübecker Oberstaatsanwältin Ulla Hingst.

"Da der Beschuldigte nach Einschätzung der Sachverständigen krankheitsbedingt gefährlich für die Allgemeinheit ist, muss nun ein Gericht in einer Hauptverhandlung über seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus entscheiden." Ein Urteil des Gerichts wird im März erwartet.

Titelfoto: DPA

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