Touristen verboten! Vermieter wollen Stadt Lübeck verklagen

Lübeck - In der Lübecker Altstadt wird es schon bald eine große Veränderung geben. Doch viele Hausbesitzer sträuben sich und wollen die Stadt verklagen.

Seit 30 Jahren Unesco-Welterbe: Das Holstentor in Lübeck mit der dahinter liegenden Altstadt.
Seit 30 Jahren Unesco-Welterbe: Das Holstentor in Lübeck mit der dahinter liegenden Altstadt.  © DPA

Hintergrund ist ein Beschluss der Bürgerschaft vom 30. August 2018, den die Stadt Lübeck nun umsetzen will.

Voraussichtlich im April dieses Jahres sollen Hausbesitzer Post von der Bauverwaltung erhalten, mit der ihnen die Vermietung ihrer Häuschen als Feriendomizile untersagt wird. Dies geht aus einer Mitteilung der Stadt hervor.

Betroffen sind rund 80 Ferienwohnungen in den für die Lübecker Altstadt typischen Ganghäusern. Sie stammen aus dem mittelalterlichen Städtebau und sind wegen ihrer Historie, ihres malerischen Aussehens und nicht zuletzt wegen ihrer zentralen Lage besonders beliebt bei Touristen.

Insgesamt gibt es im Unesco-Welterbe Lübeck rund 300 Ferienwohnungen. Die betroffenen Hausbesitzer aber wollen die Nutzungsuntersagung nicht einfach hinnehmen und haben sich in einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. "Wir denken über eine Klage gegen die Stadt nach", sagte Hausbesitzer Wolfgang Seitz.

Er vermietet seit 2004 sein 35 Quadratmeter großes Haus im Rosengang. "Etwa 70 Prozent der Gäste sind Touristen, die die Idylle in den Gängen und deren zentrale Lage zu schätzen wissen. Das sind Individualisten, die nie in ein Hotel gehen würden", sagte er. Doch auch Leute, die beruflich für einige Wochen in der Stadt seien, zögen gerne in ein Ganghaus.

Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) sagte dagegen, die Stadt habe keine andere Wahl gehabt als die Vermietung von Ferienhäusern zu verbieten.

"Gänge und Höfe gelten nach dem Baurecht als reine Wohngebiete, in denen keine Ferienwohnungen erlaubt sind. Wir müssen das geltende Baurecht durchsetzen, um einer Verdrängung des Wohnens in den Gängen und Höfen entgegenzuwirken", sagte der Bürgermeister.

Lübecks Tourismuschef Christian Martin Lukas sorgt sich jetzt um das touristische Image der Stadt.

Ganghäuser gebe es zwar auch in Lüneburg oder Quedlinburg, aber ihre große Anzahl und ihr Vorkommen auf der gesamten Altstadtinsel seien ein Markenzeichen Lübecks.

"Ich hoffe, dass unsere Gäste auch künftig die Gänge und Höfe als besonderes Kleinod der "Königin der Hanse" betrachten, auch wenn sie selbst nicht mehr 'typisch lübsch' darin wohnen können", sagte er.

Titelfoto: DPA


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