Verteidiger zu Missbrauch auf Campingplatz: "Kollektives Polizeiversagen"

Lüdge – Bei den Ermittlungen um den massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lüdge, werden immer mehr Polizeipannen bekannt.

Die Polizei Lippe hat durch die Ermittlungsfehler für einen Polizeiskandal gesorgt.
Die Polizei Lippe hat durch die Ermittlungsfehler für einen Polizeiskandal gesorgt.  © DPA

Verteidiger Peter Wüller spricht im Interview mit der Neuen Westfälischen von "kollektivem Behördenversagen".

Die Taten an sich wiegen bereits schwer, umso bedauerlicher sei es, dass es während der Ermittlungen zu "gravierenden polizeilichen Pannen" kam, so der Jurist, der selbst eines der Opfer vertritt.

Bereits zu einem frühen Ermittlungszeitpunkt habe die Polizei Detmold feststellen müssen, dass man es mit einem umfangreichen Sexual-Verbrechen mit tausenden von Einzelfällen zu tun habe. Andere Behörden, wie das Landeskriminalamt, seien jedoch nicht um Hilfe gebeten worden.

Inzwischen ermittle man nicht nur im Fall um den Kindesmissbrauch selbst, sondern auch gegen die Polizeibehörde Lippe.

Dazu hat Innenminister Herbert Reul Sonderermittler beauftragt (TAG24 berichtete), die die Ermittlungsarbeit der zuständigen Beamten prüfen sollen.

"Das ist für mich ein Unding"

Verteidiger Peter Wüller kann nicht nachvollziehen, dass die Beamten weiter im Dienst sind.
Verteidiger Peter Wüller kann nicht nachvollziehen, dass die Beamten weiter im Dienst sind.

Drei Polizeibeamte der Polizei Detmold hatten nachweislich mit Kinderpornos zu tun, sind aber weiterhin im Dienst (TAG24 berichtete).

"Wir wissen nicht, inwieweit diese Polizeibeamten mit den Ermittlungen in dem Missbrauchsfall betraut gewesen sind", erklärt der Verteidiger. "Aber allein die Tatsache, dass ein Polizist wegen des Besitzes von kinderpornografischen Schriften rechtskräftig vorbestraft ist und weiter als Polizeibeamter tätig sein kann, ist für mich ein Unding."

Nicht nur Innenminister Reul spricht von Polizeiversagen, auch Wüller befürchtet, dass in dem Fall noch mehr Polizeipannen ans Licht kommen werden.

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