Missbrauch auf Campingplatz: Warum wurde das Verschwinden der Beweismittel erst so spät entdeckt?

Lügde/Düsseldorf - Der Missbrauchs- und Polizeiskandal von Lügde mit mindestens 31 betroffenen Kindern wird jetzt im nordrhein-westfälischen Landtag aufgearbeitet.

Auf diesem Campingplatz in Lügde sollen 31 Kinder missbraucht worden sein.
Auf diesem Campingplatz in Lügde sollen 31 Kinder missbraucht worden sein.  © DPA

An diesem Dienstag kommt der Innenausschuss auf Antrag der Oppositionsfraktionen von SPD und Grünen zu einer Sondersitzung zusammen. Innenminister Herbert Reul (CDU) soll dabei Rede und Antwort stehen.

Reul hatte in der vergangenen Woche bekannt gegeben, dass bei der Kreispolizei in Detmold Beweismittel für den massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im lippischen Lügde verschwunden sind.

Reul hatte bereits Polizeiversagen eingeräumt (TAG24 berichtete). Ein führender Polizeibeamter ist von seiner Aufgabe entbunden worden.

Auf dem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen sollen über Jahre mindestens 31 Kinder im Alter zwischen 4 und 13 Jahren missbraucht und dabei gefilmt worden sein.

155 verschwundene Datenträger

NRW-Innenminister Herbert Reul hatte zuletzt Polizeiversagen eingeräumt.
NRW-Innenminister Herbert Reul hatte zuletzt Polizeiversagen eingeräumt.  © DPA

Drei Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft (TAG24 berichtete). Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft sind 155 CDs und DVDs verschwunden, die auf dem Campingplatz und in der Wohnung des Hauptverdächtigen gefunden worden waren.

Die Landtagsopposition will vor allem wissen, warum das Verschwinden des Beweismaterials erst Wochen später aufgefallen ist und wann genau Reul darüber informiert wurde.

Es reiche nicht, wenn "Reul alle Verantwortung für den Fall nur bei der Polizei vor Ort ablädt", kritisierte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hartmut Ganzke.

Ebenso wie die Grünen forderte er umfassende Aufklärung. "Danach wird zu beurteilen sein, welche weiterreichenden Konsequenzen aus diesem schrecklichen Vorfall gezogen werden können."

Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe waren Kinder auch für Pornodrehs missbraucht worden.
Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe waren Kinder auch für Pornodrehs missbraucht worden.  © DPA

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