Röntgentest zeigt: So krass werden Verbraucher beim Einkauf verarscht

Hamburg - Viele Verpackungen von Lebensmitteln und Drogerieartikeln enthalten zu viel Luft und vergrößern unnötig den Müllberg. Das ergab eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg mit einem Röntgengerät.

Der Blick mit dem Röntgengerät zeigt, dass in der Grießbrei-Packung nur 17 Prozent Inhalt sind.
Der Blick mit dem Röntgengerät zeigt, dass in der Grießbrei-Packung nur 17 Prozent Inhalt sind.

Aus etwa 1000 Beschwerden über zu große Packungen haben die Verbraucherschützer 14 Produkte ausgewählt.

Diese wurden mit einem Röntgengerät genau betrachtet. Damit wurde sichtbar, bis wo eine Verpackung mit Inhalt gefüllt ist.

Das Ergebnis erschüttert.

"Die durchschnittliche Höhe des Verpackungsanteils ohne Inhalt betrug 59 Prozent. Die Höhe des tatsächlich gefüllten Teils der Verpackung lag im Mittel bei nur 41 Prozent", berichtet die Verbraucherzentrale.

Oft handelt es sich bei Verpackungen also um Mogelpackungen, die große Mengen des gewünschten Inhalts vortäuschen, der sich beim Öffnen aber als Luft entpuppt.

Am schlechtesten von den 14 untersuchten Produkten schnitt "Mondamin Lieblingsgrießbrei Klassische Art" von Unilever ab. Ganze 83 Prozent der Tüte seien ungenutzt, ergab die Untersuchung. Bei einer Verpackungshöhe von 18 Zentimeter sind rund 15 Zentimeter ohne Inhalt.

Der Beutel "Risotto Milanese" von Riso Scotti kommt auf dem zweiten Platz. Zu 81 Prozent ist er leer.

Eine Übersicht aller 14 untersuchten Produkte inklusive Röntgenaufnahmen gibt es www.vzhh.de/luftpackungen.

Statt Risotto enthält die Verpackung hauptsächlich Luft.
Statt Risotto enthält die Verpackung hauptsächlich Luft.  © Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh)

"Alle reden davon, dass Verbraucher bewusster konsumieren und Müll vermeiden sollen, doch in den Supermarktregalen ändert sich seit Jahren nichts", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Viel Verpackungsmaterial ließe sich ganz einfach einsparen, wenn die Verpackungen vollgefüllt wären.

Beispiel "Lenor Vollwaschmittels Weiße Wasserlilie": Hier könnten 20 Tonnen Plastik vermieden werden, wenn der Hersteller die gleiche Menge seines flüssigen Produkts in 800.000 vollen Plastikflaschen statt in 1.000.000 Flaschen mit niedrigerem Füllstand verkaufen würde, rechnet die Verbraucherzentrale vor.

Die gesetzlichen Vorgaben für Verpackungen seien schwammig, nicht durchschaubar und böten Herstellern zu viel Freiraum.

Die Verbraucherzentrale Hamburg fordert daher, dass grundsätzlich jede Packung bis zum Rand oder zur Naht befüllt werden muss und geringere Füllmengen nur unter bestimmten Umständen erlaubt sind.

Das würde Mogelpackungen unmöglich machen, gegen Ressourcenverschwendung helfen und gleichzeitig der Umwelt helfen.

Auch Drogerieprodukte enthalten zu viel Luft wie diese Tabs. 74 Prozent der Packung sind leer.
Auch Drogerieprodukte enthalten zu viel Luft wie diese Tabs. 74 Prozent der Packung sind leer.  © Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh)

Titelfoto: Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh)

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