Niemand will als neuer Wirt in den Luisenhof

Optisch ein Prachtstück, keine Frage. Aber ist der Louisenhof als Restaurant überhaupt rentabel?
Optisch ein Prachtstück, keine Frage. Aber ist der Louisenhof als Restaurant überhaupt rentabel?

Von Katrin Koch

Dresden - Ist die Zukunft des Luisenhofs als Ausflugs-Restaurant noch zu retten? Nach dem Aus für die zunächst als Nachfolger favorisierten „Steiger“-Wirte Sebastian Matthes (40) und seinen Vater Udo Matthes (65) suchen die neuen Eigentümer des Traditionsbetriebes intensiv nach neuen Bewerbern.

Joel Rosenberg (25, Mabe Immobilien Dresden), Sprecher für die Luisenhof-Eigentümer: „Wir sind an neuen Bewerbern und Ideen sehr interessiert.“

Wer auch immer künftig am Herd des Luisenhofs stehen soll - er steht vor einer riesigen Herausforderung. Nach 13 Jahren hatte im Februar Stammwirt Armin Schumann (42) den Kochlöffel geworfen und zu Ende Juni gekündigt.

Immobilienverwalter Joel Rosenberg (25) freut sich über gastronomische Konzepte und Bewerber jeglicher Art.
Immobilienverwalter Joel Rosenberg (25) freut sich über gastronomische Konzepte und Bewerber jeglicher Art.

Grund: Ab Juli sollte der Wirt den neuen Besitzern statt 14.000 nun 19.000 Euro Pacht zahlen - pro Monat!

Können solche Summen im Luisenhof überhaupt erwirtschaftet werden? 600 Plätze wollen erstmal gefüllt, das 50-köpfige Personal bezahlt sein. Dazu kommen ungünstige Anfahrtsmöglichkeiten für Busreisegruppen.

Schon Schumanns Vorgänger musste Anfang 2000 Insolvenz anmelden. Und die bislang favorisierten Nachfolger vom „Steiger“ sind inzwischen selbst an finanziellen Problemen mit ihrem Vermieter gescheitert - der Steiger ist seit Tagen geschlossen.

Kein Wunder also, dass die bislang fest angekündigte Wiedereröffnung nun mehr als fraglich ist.

„Es gibt noch keinen konkreten Namen, wer nach Schumann den Luisenhof übernimmt. Es ist damit auch völlig ungewiss, ob ab 1. Juli ein neuer Gastronom das Restaurant weiter führt.

Das kann sich schnell ergeben. Oder auch nicht“, so Makler Rosenberg.

Rettet Roncalli die Ausflugs-Legende?

Roncalli-Gründer und Inhaber Bernhard Paul (68) würde gern dem Luisenhof mit gastronomischem Rat zur Seite stehen.
Roncalli-Gründer und Inhaber Bernhard Paul (68) würde gern dem Luisenhof mit gastronomischem Rat zur Seite stehen.

Wo Not ist, wächst auch Hoffnung: Ausgerechnet eine Zirkus-Legende könnte die Ausflugslegende Luisenhof retten.

Derzeit gastiert Circus Roncalli in Dresden. Als das Ensemble nun bei einem Essen auf dem Luisenhof von den Schwierigkeiten hörte, schaltete der Circus sofort.

„Hier könnte man wunderbare Dinner-Shows inszenieren“, so Roncalli-Sprecher Pascal Raviol (44). Circusgründer Bernhard Paul (68) ist für die Idee Feuer und Flamme.

Raviol: „Er will sich mit den Eigentümern zu einem Kreativgespräch treffen.“

Paul und Roncalli haben langjährige Gastro-Erfahrung. Paul rief mit Star-Koch Hans-Peter Wodarz (67, „Ente im Lehel“) 1990 Deutschlands erste Dinner-Show ins Leben, betreibt in Aachen das „Concert Café“.

Luisenhof-Makler Joel Rosenberg zeigte bereits Interesse.

Rettet den Luisenhof!

Ein Kommentar von Katrin Koch

Die Sympathiewellen für den Luisenhof schlugen in den vergangenen Wochen hoch. Ganz Dresden beklagte die drohende Schließung. Reanimierte Erinnerungen an Familienfeiern, Hochzeiten und Tanzabende.

Aber mal ganz ehrlich? Wann warst Du das letzte Mal im Luisenhof essen? Bei mir war’s die Martinsgans im Vorjahr. Wenn ich heute die Schließung bedaure - dann muss ich mir an die eigene Nase fassen.

Ich hätte öfter auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen vorbei schauen müssen. Dann hätte vielleicht Wirt Schumann die Pachterhöhung um 5000 Euro pro Monat verkraftet.

Aber das steht jetzt nicht mehr zur Debatte. Die Frage ist, wer kommt ab 1. Juli - oder besser gefragt: Kommt überhaupt einer nach Schumann? Ein Gastronom ist nicht in Sicht.

Eine Dinnershow à la Roncalli wäre zumindest eine überdenkenswerte und amüsante Alternative.

Noch ist es nur eine Idee, eine Vision. Aber wer keine Träume hat, krempelt auch nicht die Ärmel hoch. Ich kann mir eine nostalgisch angehauchte Dinnershow im Luisenhof vorstellen.

Ich würde viel lieber Clowns sehen als dicke Mercedes’, die in den Luisenhof zu ihren Eigentumswohnungen fahren. Denn findet sich kein gastronomisches Konzept, das der Pacht Paroli bieten kann, scheint mir ein Umbau zu Privatquartieren nicht ausgeschlossen.

Foto: Christian Suhrbier


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