Kommissare müssen live mitverfolgen, wie junge Frau verdurstet

Luzern - Der letzte Krimi der "Tatort"-Saison 2018/19 wird zum Psycho-Drama: Die Schweizer Kommissare ermitteln in "Tatort: Ausgezählt" aus Luzern vor einer Riesenleinwand in ihrem Büro, auf der sie einer jungen Frau beim Verdursten zusehen müssen.

Martina Oberholzer (Tabea Buser, r.) wollte eigentlich über die Dopingszene beim Boxen auspacken.
Martina Oberholzer (Tabea Buser, r.) wollte eigentlich über die Dopingszene beim Boxen auspacken.  © Daniel Winkler/ARD Degeto/SRF/dpa

Die Frau sitzt in einem Verlies an unbekanntem Ort, und der, der sie eingesperrt hat, wurde erschossen. Den Videofeed aus dem Kerker haben die Ermittler auf dem Laptop des Toten gefunden.

Die gut 88 Krimi-Minuten sind keine Verbrecherjagd, sondern ein Wettlauf gegen die Zeit, um die Frau zu retten.

Darum geht es: Eine durch Doping kranke Boxerin stirbt im Ring an einem Herzinfarkt. Ihre Gegnerin, Martina Oberholzer (Tabea Buser), ist schockiert. Sie will Schluss machen mit dem Dopen und auspacken. Dabei hat sie die Rechnung aber ohne ihren Manager Sven Brügger (Urs Humbel) gemacht.

Der will Kasse machen: "Was Besseres gibt's doch gar nicht: Tina the Killer", so will er Oberholzer nun vermarkten.

Er will sie durch das Einsperren weichklopfen und zum Weitermachen zwingen. Der Onkel der Boxerin, Heinz Oberholzer (Peter Jecklin), Ex-Polizist aus Zürich, bekommt Wind von der Sache, stellt den Manager und erschießt ihn im Affekt, wie er dem Ermittlerduo Liz Ritschard (Delia Meyer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) am Tatort sagt.

Liz Ritschard (Delia Mayer, 52) und Reto Flückiger (Stefan Gubser, 61) müssen live mitverfolgen, wie die Boxerin verdurstet.
Liz Ritschard (Delia Mayer, 52) und Reto Flückiger (Stefan Gubser, 61) müssen live mitverfolgen, wie die Boxerin verdurstet.

Lohnt sich das Einschalten?

Ja - und nein. Die Suche nach der Boxerin kommt filmisch nicht so recht voran. Es tut sich wenig, kaum Action, viel Warten und lange Einstellungen von Ritschard beim Joggen, Flückiger beim Nachdenken.

So sieht man die Ermittler wenigstens noch einmal prominent. Es ist ihr vorletzter Fall: Die Schweizer "Tatort"-Fälle spielen ab Herbst 2020 in Zürich, mit den neuen Kommissarinnen Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler.

Die Spannung dieses Films liegt mehr in der mysteriösen Beziehung zwischen Ritschard und dem Onkel der Boxerin. Er war ihr Ausbilder. Flückiger spürt einen Loyalitätskonflikt bei der Kollegin, ahnt ein dunkles Geheimnis zwischen den beiden und lässt sich alte Akten kommen. Dass Oberholzer Ritschard "in der Hand hat", wie Flückiger feststellt, verleitet die Kollegin zu einer heiklen Dienstverletzung.

Der "Tatort" aus Luzern hat in Deutschland nie große Fangemeinden gehabt.

Das liegt auch daran, dass der schweizerische Wortwitz nur in Schweizerdeutsch rüberkommt, so, wie die Krimis im Schweizer Fernsehen gezeigt werden. Für das deutsche Publikum gibt es aber die Hochdeutsch-Version, weil es die Mundart nur schwer verstehen würde - dabei geht so manches verloren. Das ist im "Tatort: Ausgezählt" leider auch wieder so.

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