Lebensqualität sinkt: Leute verlassen den Osten aus Angst

Berlin/Erfurt - Die wirtschaftliche Kluft zwischen Ost und West wird in den kommenden Jahren wieder größer werden: Die Einwohnerzahl sinkt, die der Berufstätigen noch schneller. Ostdeutschland steht erneut vor enormen Herausforderungen, prophezeit der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (42).

Hirte sorgt sich um die Ost-Wirtschaft, sieht aber auch Chancen der Förderung. (Bildmontage)
Hirte sorgt sich um die Ost-Wirtschaft, sieht aber auch Chancen der Förderung. (Bildmontage)  © DPA (Bildmontage)

"Die Bevölkerungsentwicklung spielt eine ganz große Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Das heißt, dass es eher schwieriger wird, dass das Bruttoinlandsprodukt in den neuen Bundesländern in den nächsten Jahren deutlich wächst", sagte Hirte der Deutschen Presse-Agentur.

Auf solche Entwicklungen müsse bei der Strukturförderung nach Ende des Solidarpakts 2019 reagiert werden. "Wir haben Regionen, da sind knapp 50 Prozent der arbeitsfähigen Leute ausgewandert." Das habe zu gesellschaftlichen Verwerfungen geführt, die heute noch nachhallten.

"Die Behörden gehen weg, die Sparkasse, das nächstgelegene Krankenhaus ist weg. Das ist aus meiner Beobachtung eine der zentralen Ängste: Eine immer weiterlaufende Spirale der Anpassung nach unten. Dem müssen wir etwas entgegensetzen", erklärt der 42-Jährige.

Dennoch warnte Hirte davor, die Lebensqualität in Ostdeutschland schlecht zu reden.

Zugleich warnte Hirte davor, die Lebensqualität in Ostdeutschland schlecht zu reden: "Die Frage ist, ob jemand mit einem tollen Gehalt in München wirklich davon besser leben kann als jemand in Sachsen-Anhalt, wo beide Eltern arbeiten gehen können, die Kinderbetreuung klappt und wo man sich ein bezahlbares Haus leisten kann."

Hirte bekräftigte, dass die Förderung für strukturschwache Regionen nach 2019 bundesweit organisiert werden soll und nicht mehr nur nach Himmelsrichtung wie bisher. So soll Ostdeutschland künftig eine gezielte Wirtschaftsförderung erhalten.

Titelfoto: DPA (Bildmontage)


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