Machtkampf in Dresden: Alle zerren jetzt an der Spaßpartei!

Dresden - Seit 2011 gibt es den Stammtisch der Satire-Partei die PARTEI, seit vier Jahren sitzen die Führungskader im "Hinterzimmer der Macht", diskutieren bierselig über Frühstücksdirektorenposten für treue Aktivisten. Bislang interessierte das nur wenige Dresdner. Doch die PARTEI zog in Stadtrat und Stadtbezirksbeirat ein, wird plötzlich von allen umworben.

Bierselige Stimmung: Die PARTEI begrüßte Donnerstag vier Neue in ihren Reihen am Kneipenstammtisch.
Bierselige Stimmung: Die PARTEI begrüßte Donnerstag vier Neue in ihren Reihen am Kneipenstammtisch.  © Holm Helis

Gestern, 20 Uhr, ein stark verrauchtes Hinterzimmer im "Kolja" auf der Rudolf-Leonhard-Straße: Ein Partei-Fähnchen ziert den Tisch.

Der steht voller Bierflaschen, der Aschenbecher füllt sich. Vier Neu-Mitglieder zwängen sich auf antiken Möbeln zwischen altgediente Kader: Parallel zum Stadtrat beginnt die Stammtischzeit der PARTEI.

Mittendrin der designierte Stadtrat Max Aschenbach (34), vor zwei Wochen "nur" Künstler mit eigenem Weltraumprogramm, jetzt der am heftigsten umworbene neue Lokalpolitiker.

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Ohne ihn ist keine linke Mehrheit zu realisieren:

"Ich wurde bedrängt, mich einer Seite zu versprechen. Ohne Blockbildung scheint Dresdner Kommunalpolitik undenkbar."

Ein echter Lokal-Politiker! Neu-Stadtrat Max Aschenbach (34, l.) prostet PARTEI-Kollege Sören Hinze (26) zu.
Ein echter Lokal-Politiker! Neu-Stadtrat Max Aschenbach (34, l.) prostet PARTEI-Kollege Sören Hinze (26) zu.  © Holm Helis

Und: "Es ist zwar unwahrscheinlich, aber womöglich schreiben sogar AfD, Freie Wähler oder die Autofetischisten von der FDP mal einen guten Antrag. Wir prüfen derzeit zudem eine Fraktion aus Aussätzigen, Ungewollten und Irren."

Eine Stunde lang stellen sich die Neuen vor: ein Bäcker, ein Student, ein Industriekletterer und eine Physiotherapeutin. Für alle vier ist die PARTEI die erste politische Aktivität.

Irgendwann unterbricht Aschenbach, holt sein Notizbuch hervor, darin die improvisierte Tagesordnung: "Wir haben krass viel zu tun heute."

Klima- und Nazinotstand sollen in Dresden ausgerufen werden. "BRN und Bier" ist Thema, Großplakate zur Landtagswahl müssen besprochen werden. Nebenbei lässt Aschenbach gucken: Die Linken baggern heftig an ihm...

Titelfoto: Holm Helis

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