Mädchen (6) tödlich verletzt, auch Bruder misshandelt: Hätte Jugendamt alles verhindern können?

Torgelow/Neubrandenburg - Hätte der Tod eines sechsjährigen Mädchens aus Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) verhindert werden können? Der leibliche Vater sagt "Ja".

Ein Kind wird mit einem Gürtel misshandelt.
Ein Kind wird mit einem Gürtel misshandelt.  © 123RF (Symbolbild)

Oliver E. hatte schon vorher vermutet, dass seine Kinder Opfer von Misshandlungen werden. Er erstattete Anzeige, doch das Jugendamt hielt die Anschuldigungen für haltlos. Hat die Behörde die Situation vermutlich falsch eingeschätzt?

Als er nach dem Tod seiner Tochter (TAG24 berichtete) schließlich seinen Sohn aufnahm, stellte er viele Verletzungen fest. "Er hatte mehrere Hämatome an Rücken, Oberarmen und Oberschenkel", berichtet Oliver E. im RTL-Interview. Außerdem soll der Junge auch noch ein Loch im Kopf, sowie eine aufgerissene Lippe gehabt haben.

Er ist sich sicher: meinen Kindern wurde Gewalt angetan. "Ich bin am Boden zerstört", sagt Oliver E. unter Tränen, der trotz geteiltem Sorge- und Umgangsrecht seine Kinder nicht sehen durfte, weil es seine Ex-Freundin nicht zuließ.

Gegenüber der Polizei gab der 27-jährige Stiefvater einen Treppensturz als Folge der tödlichen Verletzungen des Kindes an. Eine Obduktion zeigte jedoch etwas anderes. So soll das Mädchen auf "nicht natürliche Weise ums Leben gekommen" sei, hieß es vonseiten der Staatsanwaltschaft. Unter welchen Umständen es jedoch zu diesem Drama kam, wird noch weiter untersucht. Jugendamtssprecher Achim Froitzheim sagte gegenüber RTL, dass der Vorfall nicht voraussehbar gewesen ist. Die Behörde ist der Ansicht, dass es keine Hinweise gibt, die das Unglück hätten verhindern können.

Vom Stiefvater fehlt seit seiner spektakulären Flucht bei einer Vernehmung bei der Polizei in Pasewalk jede Spur.

Update, 15.17 Uhr:

Im Fall des getöteten kleinen Mädchens in Torgelow (Vorpommern-Greifswald) wird dem Tatverdächtigen inzwischen Mord durch Unterlassen vorgeworfen.

Das Amtsgericht Pasewalk habe einen entsprechenden Haftbefehl für den flüchtigen Stiefvater erlassen, wie die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg am Donnerstag mitteilte. Er habe den Tod des Kindes nach vorhergehenden Misshandlungen erkannt und billigend in Kauf genommen. Bisher war der Mann, der seit Montag auf der Flucht ist, wegen Körperverletzung mit Todesfolge gesucht worden.

Hintergrund des verschärften Vorwurfes seien vor allem die schweren Verletzungen des sechs Jahre alten Mädchens, das am Samstag tot in der Wohnung der Familie gefunden worden war. Details wurden nicht genannt. Der Stiefvater hatte zunächst von einem Treppensturz gesprochen.

Die Polizei sucht weiter intensiv nach dem Geflüchteten.

Titelfoto: 123RF (Symbolbild)


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