"Gold-Lena" oder nur "Marionette": Neuner übt Kritik, ein Moment geht ihr nicht aus Kopf

München - Biathlon-Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner (33) wünscht sich Olympische Spiele, bei denen die Belange der Sportler mehr im Mittelpunkt stehen. Am System übt sie erhebliche Kritik.

Magdalena Neuner ist mit einigen Aspekten nicht wirklich zufrieden.
Magdalena Neuner ist mit einigen Aspekten nicht wirklich zufrieden.  © Sven Hoppe/dpa

"Ich bin jetzt nicht so ein Mensch, der immer nur die Schuld bei anderen sucht. Aber man muss schon hinterfragen, ob man nicht den Sportlern einfach ein bisschen mehr Genuss lassen sollte", sagte die 33 Jahre alte Doppel-Olympiasiegerin von 2010 im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

"Im Endeffekt bist du irgendwie auch eine Marionette, die funktionieren muss. Als ich in meiner Kindheit Olympia angeschaut habe, dachte ich, das muss toll sein, wenn man da dabei ist", führte Neuner aus. Neuner hatte nach den Winterspielen vor zehn Jahren mit großen Motivationsproblemen zu kämpfen.

Ihre überragende Karriere, die sie dann im Jahr 2012 nach den Welttitelkämpfen in Ruhpolding als zwölfmalige Weltmeisterin endgültig beendete, habe ihr "wirklich bis zum letzten Tag total Spaß gemacht", betonte sie. "Aber nach den Olympischen Spielen 2010 habe ich gemerkt: Jetzt hat sich irgendwas verändert, irgendwas ist passiert."

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Der Olympia-Hype sei "noch eine ganz andere Nummer" gewesen als etwa der Beginn ihrer einmaligen Karriere mit dem Titel-Triple in Antholz vor 13 Jahren. "Ich hatte das Gefühl, ich habe überhaupt keine Macht mehr über mich selbst", sagte Neuner.

Auch habe es im Team seinerzeit ein paar Unstimmigkeiten gegeben, verriet sie und führte weiter aus: "Ich habe einfach gemerkt, dass die Stimmung total gekippt ist im Team. Alle waren super enttäuscht, und ich kam rein mit meiner Goldmedaille - es war nicht einfach. Ich war froh, dass meine Eltern vor Ort waren."

Magdalena Neuner spricht von äußerst großer Enttäuschung

Auch eine Situation habe es gegeben, die "mich menschlich enttäuscht" hat.

So standen ihre Eltern bei der Siegerehrung nach dem Sprint-Gold "ganz hinten draußen, weil sie nicht rein durften, und unsere Funktionäre standen in der ersten Reihe. Das sind halt alles kleine Puzzleteile, die am Ende dazu führen, dass du dir Gedanken machst: Möchte ich das wirklich noch einmal erleben?" Es sind mehr als deutliche Worte.

Bei der Biathlon-Weltmeisterschaften in Antholz (13. bis 23. Februar) wird Neuner als TV-Expertin für die ARD dabei.

Im Jahr 2010 durfte sich Magdalena Neuner bei den Olympischen Spielen über Edelmetall freuen. (Archivbild)
Im Jahr 2010 durfte sich Magdalena Neuner bei den Olympischen Spielen über Edelmetall freuen. (Archivbild)  © dpa/Martin Schutt

Titelfoto: dpa/Martin Schutt

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