Nach missglückter Abschiebung: Kranke Schwangere mit Kleinkind an Bahnhof zurückgelassen

Mainz - Nach der abgebrochenen Abschiebung aus einer Klinik in Mainz hat die Polizei eine kranke und schwangere Frau nach Behördenangaben allein und in Hausschuhen am Bahnhof Hannover zurückgelassen.

Auch das vorgesehene Handgeld reichte nicht für eine Rückfahrt in ihre Unterkunft nach Ingelheim (Fotomontage).
Auch das vorgesehene Handgeld reichte nicht für eine Rückfahrt in ihre Unterkunft nach Ingelheim (Fotomontage).  © dpa, 123RF/Jakub Jirsak

Die 29-jährige Iranerin folgte dann der Auflage, sich wieder in ihrer Landesunterkunft in Ingelheim (Kreis Mainz-Bingen) zu melden und fuhr mit ihrem einjährigen Sohn im Zug dorthin zurück, wie die Kreisverwaltung am Montag in Ingelheim weiter mitteilte.

"Über dieses Vorgehen muss man sich unterhalten", sagte Landrätin Dorothea Schäfer (CDU). Die junge Mutter habe das vorgesehene Handgeld von 100 Euro erhalten, sagte der Leiter der Ausländerbehörde des Kreises, Bernd Mißkampf. Nach einem Bericht der "Allgemeinen Zeitung" erließ ein Bahnmitarbeiter den für die Fahrkarte noch fehlenden Betrag von fünf Euro und gab ihr Geld, um sich etwas zu essen zu kaufen.

Nach der von der Bundespolizei begleiteten nächtlichen Fahrt von Mainz nach Hannover weigerten sich die Frau und ihr aus dem Abschiebegefängnis Ingelheim abgeholter Mann nach Angaben Mißkampfs, das Flugzeug nach Zagreb zu betreten. Der Pilot lehnte es daraufhin ab, die Familie zu befördern. Die 29-Jährige wurde dann von der Polizei zum Bahnhof gebracht.

Landrätin Schäfer traf am Montag mit Vertretern der Polizei zusammen, um über den Ablauf der gescheiterten Abschiebung zu sprechen "Natürlich lässt einen das nicht kalt", sagte die Landrätin und kündigte an, über den Vorgang im Kreistag zu beraten.

Der Asylantrag der Familie wurde gemäß der Dublin-Regelungen abgelehnt, weil sie zuerst in Kroatien registriert worden war. "Wir haben die vollziehbare Ausreisepflicht, zwingende Duldungsgründe haben wir nicht", sagte Behördenleiter Mißkampf.

Titelfoto: dpa, 123RF/Jakub Jirsak

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