ter Stegen kritisiert Neuer und Löw! Kommt es nun zur Schlammschlacht um die Nummer 1?

Barcelona - Am Dienstag empfängt Borussia Dortmund den amtierenden spanischen Meister FC Barcelona. Torhüter Marc-André ter Stegen kehrt für einen Abend zurück nach Deutschland. Angesprochen auf den Clinch um die Nummer 1 im deutschen Tor kritisiert er Manuel Neuer und auch Bundestrainer Joachim Löw.

Neuer hielt den FC Bayern zuletzt mit der einigen guten Aktionen im Top-Spiel gegen RB Leipzig im Spiel. Im Anschluss wurde er recht deutlich gegenüber Marc-Andre ter Stegen.
Neuer hielt den FC Bayern zuletzt mit der einigen guten Aktionen im Top-Spiel gegen RB Leipzig im Spiel. Im Anschluss wurde er recht deutlich gegenüber Marc-Andre ter Stegen.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Auch wenn es am Dienstag im ersten Spiel der Gruppe F zwischen Borussia Dortmund und dem FC Barcelona zum Duell ter Stegen gegen Bürki (28) kommt, konzentriert sich der Schlussmann der Katalanen nicht ausschließlich auf seine kommenden Aufgaben mit Barca, sondern legt im Fernkampf um die deutsche Nummer 1 noch einmal nach - und äußert sich zu den Aussagen von Manuel Neuer (33).

Auf sein Statement, dass die letzte Länderspielreise für ihn ein "schwerer Schlag" war, antwortet der Bayern-Keeper recht kühl und nüchtern: "Wir sind eine Mannschaft, sollten alles tun, damit wir erfolgreich sind. Ich weiß nicht, ob uns das hilft", und positionierte sich gleich auch noch zu seiner Leistung: "Ich finde einfach, dass ich sehr gute Leistungen bringe".

Neuer stutzte seinen Teamkollegen aus der Nationalmannschaft zurecht, verwies ihn verbal auf die Nummer zwei.

In der Pressekonferenz vor dem Königsklassen-Duell zwischen Dortmund und Barcelona, wurde ter Stegen mit diesen Aussagen konfrontiert. Auch wenn er recht souverän antwortete und sich nicht sonderlich aus der Reserve locken ließ, merkte man ihm schon an: Er will spielen und nicht länger warten.

Jogi Löw ruft Konkurrenzkampf aus, ter Stegen will diesen führen

ter Stegen auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Duell gegen den BVB am Dienstag.
ter Stegen auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Duell gegen den BVB am Dienstag.  © Bernd Thissen/dpa

Auf die Frage, ob er zu Neuers Aussagen etwas zu sagen habe, antwortete er zwar ruhig und besonnen, jedoch in seiner Wortwahl merklich zähneknirschend: "Natürlich habe ich etwas dazu zu sagen. Du kannst keinen Konkurrenzkampf ausrufen und erwarten, dass Spieler, die nicht spielen, glücklich darüber sind." - auch ein Seitenhieb in Richtung Bundestrainer Joachim Löw.

Danach griff er Neuer direkt an: "Man muss nichts zu meinen Gefühlen sagen, das ist meine persönliche Meinung", so der 27-Jährige mit einer deutlichen Botschaft an den Münchner Schlussmann. Dann verweist er darauf, dass "wenn man die letzten Jahre sieht, wie ich mich verhalten habe, dann sind solche Aussagen unpassend!"

Es macht den Anschein, dass der Kampf ums deutsche Tor nun langsam aber sicher Fahrt aufnimmt.

Ter Stegen ist seit Jahren ein verlässlicher und starker Torhüter in Barcelona. Misst sich tagtäglich mit den Besten der Welt und bringt stets tadellose Leistungen.

Manuel Neuer ist nach seiner langen Verletzungsmisere nun wieder der Alte, glänzt mit seinen Auftritten beim Rekordmeister und zeigt auch in der Nationalmannschaft, welchen Wert er noch immer hat.

Jens Lehmann ist pro Neuer, ter Stegen dürfe "eigentlich keinen Anspruch stellen"

Ein Bild das um die Welt ging. Einst erbitterte Feinde auf dem Platz, gab es bei der WM 2006 diese Geste zwischen der damals alten und der neuen Nummer 1 im deutschen Tor.
Ein Bild das um die Welt ging. Einst erbitterte Feinde auf dem Platz, gab es bei der WM 2006 diese Geste zwischen der damals alten und der neuen Nummer 1 im deutschen Tor.  © Db Wdr/WDR/dpa

Fakt ist, ter Stegen hat sich Jahre lang hinter Neuer geduldet, wartete brav auf seine Chancen sich auszuzeichnen und wenn er gebraucht wurde, war er da, ohne im Anschluss Ansprüche zu stellen.

War das vielleicht ein Fehler? Hätte er nicht insbesondere vor der WM 2018 offensiver auf seine Rolle als Nummer 1 pochen sollen, zu Zeiten, als Manuel Neuer monatelang nicht spielen konnte?

Es kann durchaus sein, dass ter Stegen den richtigen Zeitpunkt verpasst hat, sich aggressiver um die Ablösung des Weltmeister-Keepers von 2014 zu bewerben. Der jetzige Zeitpunkt, an dem Neuer wieder zu alter Stärke gefunden hat und verletzungsfrei ist, scheint unglücklich.

Am Sonntag hat sich bei Sky 90 auch ein Ex-Nationalkeeper zu Wort gemeldet, der ter Stegens Rolle nachvollziehen kann. Jens Lehmann war auch Jahre lang hinter Oliver Kahn (50) die Nummer 2.

Im Kampf damals wurden deutlich mehr Pfeilspitzen zwischen Dortmund und München hin- und hergeschickt, als es in den letzten Jahren zwischen der Säbener Straße und Katalonien der Fall war.

"Ich finde eigentlich ganz gut, dass er das gesagt hat", so der 49-Jährige zunächst. Jedoch positioniert auch er sich klar: "Der Manuel ist besser, er ist komplett".

Heißt: Lehmann findet es grundsätzlich gut, wenn man seine Ansprüche offen kommuniziert, sieht Neuer aber vom Leistungsniveau her (noch) vor dem gebürtigen Gladbacher.

Auch merkte der ehemalige Co-Trainer vom FC Augsburg an, dass "wenn ich in Liverpool 0:4 verliere, kann ich eigentlich keinen Anspruch stellen". Damit meint der Ex-Schalker und Ex Borussse, dass ter Stegen seinem Team noch viel häufiger Ergebnisse und Siege sichern, Spiele für die Mannschaft gewinnen müsse.

So oder so scheint das verbale Torhüter-Duell nun in vollem Gange, das letzte Wort wird wohl noch lange nicht gewechselt sein.

Update 15.32 Uhr: Manuel Neuer hat sich bei der Pressekonferenz des FC Bayern am Dienstag vor dem Champions League-Spiel am Mittwoch gegen Roter Stern Belgrad zu den erneuten Aussagen ter Stegens geäußert: "Ich habe mein Statement das erste Mal abgegeben, jetzt geht es für mich einfach um die Spiele und um den Verein und um das, was auf dem Platz ist. Nicht nur bei der Nationalmannschaft, auch beim FC Bayern. Von mir wird es keine Aussagen diesbezüglich mehr geben".

Auch Bundestrainer Joachim Löw meldete sich zu Wort: "Wir alle können uns doch nur freuen, mit Manuel Neuer und Marc-Andre ter Stegen zwei Weltklassetorhüter zu haben", so der 59-Jährige in der "Bild". "Andy Köpke und ich stehen zu unserem Wort, dass auch Marc seine Chancen bei uns bekommen wird. Wir können seine Enttäuschung verstehen, doch es ist nun mal so, dass nur einer spielen kann".

Auch hob der Nationaltrainer Neuers Leistungen und dessen Standing noch einmal hervor: "Manu hat bei uns zuletzt sehr gute Leistungen gezeigt. Er ist unser Kapitän."

Video zur Pressekonferenz mit Marc André ter Stegen

Neuer vs. ter Stegen: Jens Lehmann bezieht bei Sky 90 Stellung

Bislang war es still - nun scheint ein verbaler Kampf ums Tor zu entstehen. ter Stegen stellt nun Ansprüche.
Bislang war es still - nun scheint ein verbaler Kampf ums Tor zu entstehen. ter Stegen stellt nun Ansprüche.  © Christian Charisius/dpa
Gerät Jogi Löw nun unter Druck bei der T-Frage?
Gerät Jogi Löw nun unter Druck bei der T-Frage?  © Christian Charisius/dpa

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