Reus rastet aus: "Mentalitätsscheiße"! Was das über den Zustand des BVB aussagt

Dortmund - Marco Reus (30) platzte der Kragen! Im Interview nach dem Spiel seines BVB bei Eintracht Frankfurt (2:2) wütete er am Mikrofon von Ecki Heuser bei "Sky".

BVB-Kapitän Marco Reus (l.) platzte nach dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt der Kragen.
BVB-Kapitän Marco Reus (l.) platzte nach dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt der Kragen.  © Hasan Bratic/dpa

Der Field Reporter hatte ihn nach dem vergebenen Sieg gefragt, ob Borussia Dortmund ein Mentalitätsproblem habe. Ein Thema, das seit der vergangenen Rückrunde rund um Dortmund immer wieder aufkommt und die Spieler offensichtlich sehr nervt. Anders ist die Reaktion des erfahrenen Kapitäns nicht zu erklären.

Reus konnte nicht mehr an sich halten: "Boah, das geht mir so auf die Eier mit euch! Mit eurer Mentalitätsscheiße, ganz ehrlich, also..."

Der erfahrene Heuser ließ sich nicht beirren und hakte nach: "Aber trifft das nicht genau den Punkt?"

Die Augen von Reus weiteten sich verständnislos: "Heute?! Ist das Ihr Ernst jetzt?"

Heuser antwortete: "Michael Rummenigge hat's im Studio auch nochmal so formuliert."

Reus rang darum, die Fassung zu wahren: "Das war jetzt ein Mentalitätsproblem oder -tor? Ist das euer Ernst jetzt?

Heuser blieb weiterhin standhaft: "Ja, das man ein Spiel nicht konsequent zu Ende spielt."

Reus schüttelte weiterhin den Kopf: "Ach komm schon, komm schon. Wir haben uns dumm angestellt, auf jeden Fall, beim 2:2. Aber kommt mir jetzt nicht mit euer Mentalitätsscheiße da! Jede Woche immer dieselbe Kacke..."

BVB-Kapitän Marco Reus sagt endlich mal, was er wirklich denkt

Marco Reus (r.) verschoss unter der Woche gegen den FC Barcelona einen Elfmeter.
Marco Reus (r.) verschoss unter der Woche gegen den FC Barcelona einen Elfmeter.  © Marius Becker/dpa

Heuser wollte nun Klarheit haben: "Also das heißt: Wo sehen Sie das Problem?"

Reus verdeutlichte: "Wir ziehen es nicht bis zum Ende durch. Aber das hat nichts mit Mentalität zu tun."

Heuser: "Sondern?"

Reus kam ins Stottern, eine treffende Erklärung fiel dem aufgebrachten Führungsspieler nicht ein: "Das hat einfach...mit einem richtigen Defensivverhalten zu tun, aber kommt mir jetzt nicht mit Mentalität. Also jetzt ist langsam mal gut, ehrlich."

Nach diesem Wutausbruch verschwand er in den Katakomben.

Das Medienecho war und ist natürlich gewaltig. Wo sich sonst viele Fußballfans und -Experten beschweren, dass die heutige Spielergeneration zu glattgebügelt sei und ihre Meinung nicht mehr sagen würde, gab es nun Kritik an Reus, weil er ausrastete.

Reus, der sonst - wie so viele im Fußball-Zirkus - einen Standardsatz nach dem anderen in Interviews zum Besten gibt, wurde das oft vorgehalten. Nun sagte er einmal ganz authentisch, was er dachte und steht wieder im Mittelpunkt der Debatten. Egal, was er macht: Es ist falsch. Kein Wunder, dass sich heutzutage so viele Fußballer hinter Worthülsen verstecken...

Denn natürlich war seine Wortwahl nicht gerade fein. Doch jeder, der selbst schon mal Fußball gespielt hat, wird ihn verstehen können und hat auf dem Platz selbst schon deutlich schlimmere Ausdrücke gehört als "Mentalitätsscheiße".

Ausraster von Marco Reus verständlich und zugleich sehr aussagekräftig

Nach dem Barca-Spiel musste BVB-Keeper Roman Bürki (l.) seinen Kapitän Marco Reus trösten.
Nach dem Barca-Spiel musste BVB-Keeper Roman Bürki (l.) seinen Kapitän Marco Reus trösten.  © Bernd Thissen/dpa

Es ist außerdem ziemlich leicht, sich ihn seine Lage zu versetzen. Gegen den FC Barcelona verschoss er einen Elfmeter und scheiterte mit weiteren Großchancen mehrfach an Marc-André ter Stegen.

In Frankfurt gab der BVB einen lange Zeit sicher geglaubten Sieg mit einer inkonsequenten Aktion kurz vor Schluss noch aus der Hand - natürlich ist man dann wenige Augenblicke nach dem Abpfiff entsprechend sauer!

Dazu fühlte er sich von Heuser und dessen Fragen offensichtlich provoziert und konnte nicht mehr an sich halten, der Frust musste raus. Diese wutbedingte Ehrlichkeit war erfrischend!

So ein Ausraster sollte einem erfahrenen Spieler wie ihm zwar eigentlich nicht passieren, doch auch ein gutbezahlter Fußballprofi ist nur ein Mensch mit Gefühlen.

Ihn und Dortmund deshalb zu verteufeln, ist schlichtweg unangemessen. Dennoch sagt sein verbaler Rundumschlag in Richtung der Medien natürlich einiges aus. Sein Selbstverständnis scheint ebenso wie das der Mannschaft angeknackst zu sein. Das hat tatsächlich wenig mit Mentalität, sondern vor allem mit dem Verhalten in einzelnen Situationen zu tun.

Vor dem Tor fehlt dem BVB momentan das nötige Quäntchen Glück und mitunter auch der unbedingte Wille, zu treffen. In der Defensive wurde der mit Rückenproblemen ausgewechselte Mats Hummels als Stabilisator in der Schlussphase erkennbar vermisst. Doch eine Mannschaft mit der Qualität der Borussia wird auch wieder bessere Saisonphasen haben.

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