Margot Friedländer hat überlebt! Als Holocaust-Zeugin mit 95 immer noch unterwegs

Sie hat das Lächeln nicht verloren: Margot Friedländer (geb. Bendheim).
Sie hat das Lächeln nicht verloren: Margot Friedländer (geb. Bendheim).  © DPA

Berlin - Die kleine elegante Dame ist einer der letzten Persönlichkeiten, die als Zeitzeugin vom Holocaust berichten kann. Margot Friedländer, ihres Zeichen überlebende in der dunkelsten Stunde deutscher Geschichte, erzählt auch noch mit 95 Jahren an Schulen ihre bewegende Geschichte.

"Sie sind eine der letzten Schülergenerationen, die dieses Privileg noch hat", sagt der Geschichtslehrer zu den Schülern der Hans-Carossa-Gymnasium in Berlin-Kladow. Das Privileg, so eine Zeitzeugin zu hören.

Gerne und mit voller Hingabe erinnert der Titel ihrer Memoiren an den Satz, den ihre Mutter vor 74 Jahren hinterließ: "Versuche, dein Leben zu machen." Und das tut die 95-Jährige auch.

Sie teilt ihr Leben mit jungen Menschen. Nach ihren Lesungen fließen nicht selten Tränen. Es ist nun mal ergreifend und zum Greifen nah, wenn Friedländer mit hochgestreckten gelben Judenstern, vom tragischen Schicksal ihres Bruders Ralph Bendheim erzählt, von der Deportation ins KZ Theresienstadt und dem Kampf ums Überleben.

Eines der wichtigsten Utensilien bei ihren Lesungen aus dem Buch "Versuche, dein Leben zu machen": der Judenstern.
Eines der wichtigsten Utensilien bei ihren Lesungen aus dem Buch "Versuche, dein Leben zu machen": der Judenstern.  © DPA

Sie hat überlebt. Mit ihrem Mann Adolf Friedländer, den sie aus Berlin kennt und sogar noch in Theresienstadt heiratete, zog sie in die USA. Mehr als 50 Jahre war er an ihrer Seite. "Wir hatten beide dasselbe erlebt, wir hatten beide dieselben Schmerzen, wir brauchten nicht darüber zu sprechen", erzählt sie später. Ihr Mann stirbt 1997.

2003 kehrte Margot Friedländer auf Einladung des Berliner Senats zurück in ihre Heimatstadt - begleitet von einem Filmteam. Die Skepsis in ihrem amerikanischen Umfeld war groß. Dennoch fasste sie im Land der Täter Fuß, denn es gab auch "gute" Deutsche, die ihr halfen. Und sie hatte einen Grund zurückzukehren.

"Um mit euch zu sprechen und euch die Hand zu reichen. Denn ich möchte, dass ihr die Zeitzeugen sein werdet, die wir nicht mehr sein können." Die Schüler sind ergriffen und machen Selfies mit der rüstigen Dame. Das Vorurteil, die Schüler von heute wollten vom Holocaust nichts mehr wissen, stimmt hier nicht.

An der Skalitzer Straße 32 in Berlin-Kreuzberg erinnern heute Stolpersteine an den Bruder Ralph und ihre Mutter Auguste Bendheim. Auch Margot hat dort einen Stein. Darauf ist die Deportation nach Theresienstadt erwähnt. Darunter steht: "überlebt".

Der Stolperstein zum Gedenken an ihren Bruder Ralph Bendheim vor der Skalitzer Str. 32 in Berlin-Kreuzberg.
Der Stolperstein zum Gedenken an ihren Bruder Ralph Bendheim vor der Skalitzer Str. 32 in Berlin-Kreuzberg.  © DPA

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