Gewaltvideo-Eskalation bei Facebook: Jetzt kommen 3000 neue Kontrolleure!

Steven S. streamte ganze 23 Minuten einen Mord auf Facebook.
Steven S. streamte ganze 23 Minuten einen Mord auf Facebook.  © dpa/Stephan Jansen, Uncredit/Cleveland Police/AP/d

Menlo Park - Immer wieder werden bei Facebook Gewaltvideos hochgeladen oder live gestreamt, wie zuletzt auch der Fall von Steven S.. Der willkürliche Mord an einer 74-Jährigen war 23 Minuten online. Viel zu lange! Erst durch Hinweise aufmerksamer Nutzer, reagierte das Online-Netzwerk und sperrte das Profil mit samt aller Inhalte. CEO Mark Zuckerberg reagiert nun auf die harsche Kritik und kündigt eine große Neuerung an.

Mit rund 1,9 Milliarden Nutzern ist Facebook das größte soziale Netzwerk der Welt. Doch die Größe ist gleichzeitig auch das größte Problem. Es fehlt an Übersicht, vor allem wenn es um verbotene Inhalte geht. Derzeit seien 4500 Mitarbeiter schon dabei, gemeldete Inhalte zu überprüfen und gegebenenfalls zu löschen oder zu sperren.

Doch diese bereits beträchtliche Zahl ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, wie die vergangenen Wochen gezeigt haben. Gewaltvideos waren über Stunden online und damit für jeden Nutzer und sogar Ausstehenden einsehbar.

Nicht nur der Mord von Steven S. an einer Frau, sondern auch die Liveübertragung eines Thailänders, der zunächst seine Tochter tötete und dann sich selbst, gehören fast schon zur schrecklichen Normalität.

Wie nun Zuckerberg am Mittwoch per Post auf Facebook mitteilte, soll eine drastische Ausweitung des Teams diese Baustelle in den Griff kriegen. 3000 neue Mitarbeiter sollen für zusätzliche Sicherheit sorgen.

Zuckerberg nannte die jüngsten Fälle mit bei Facebook veröffentlichter Gewalt "herzzerreißend".
Zuckerberg nannte die jüngsten Fälle mit bei Facebook veröffentlichter Gewalt "herzzerreißend".  © Noah Berger/FR 34727 AP/dpa

Zu sehr verlässt sich Facebook auf seine Nutzer, lediglich bei Kinderpornografie kommt eine Software zum Einsatz, die automatisch filtert. Seit kurzem werden auch sogenannte "Rachepornos" - intime Bilder, die ohne Zustimmung veröffentlicht werden - per Computer gefunden, sofern das Foto einmal gemeldet wurde.

Zuckerberg habe darüber nachgedacht, wie das Netzwerk besser mit der aktuellen Situation fertig werden könnte. "Wenn wir eine sichere Gemeinschaft aufbauen wollen, müssen wir schnell reagieren", schrieb er.

Einige bereits etablierte neue Funktionen ermöglichen es Nutzer schneller auf bedrohliche Inhalte zu reagieren. Doch ob die aufgestockte Mitarbeiterzahl und jene Funktionen für ein sicheres Gefühl sorgen, bleibt abzuwarten.

Zuckerberg machte keine Angaben dazu, in welchen Regionen die zusätzlichen Mitarbeiter hinzukommen sollen.

In Deutschland setzt Facebook nach öffentlicher Kritik, auf eine Kooperation mit der Dienstleistungsfirma Arvato. Doch auch diese scheint alles anderes als der richtige Weg zu sein. In Medienberichten wurde die hohe psychische Belastung in dem Job stark verurteilt.

Smartphones machen das Live-Streaming noch leichter und stellen aber Facebook damit vor eine harte Aufgabe.
Smartphones machen das Live-Streaming noch leichter und stellen aber Facebook damit vor eine harte Aufgabe.  © dpa/Silas Stein

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