Markus Söder informiert sich auf Zugspitze über Klimawandel: Befunde sind alarmierend!

Grainau/München - Markus Söder steht tief im Inneren der Zugspitze. Nach einem knappen Kilometer Fußmarsch in den Berg hinein blickt er in einen kleinen Stollen, in dem die Auswirkungen des Klimawandels zwar nicht wie draußen auf dem schwindenden Gletscherrest direkt zu sehen, aber eindeutig zu messen sind.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, steht bei seiner Klimatour vor dem Panorama der Zugspitzregion.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, steht bei seiner Klimatour vor dem Panorama der Zugspitzregion.  © DPA

Wissenschaftler um den Münchner Professor Michael Krautblatter erforschen dort, im sogenannten Kammstollen, mit aufwendigen Methoden die Veränderung des sogenannten Permafrosts. "Das ist die verborgene Vereisung im Inneren", erklärt der Geologe.

Und das Ergebnis seiner Forschungen ist eindeutig: Im August 2018 war dieser gefrorene Kern, der den Berg im Inneren zusammenhält, so klein wie nie seit Beginn der Messungen vor gut zehn Jahren. Eine Folge des Klimawandels.

Draußen sind diese Folgen ohnehin für jedermann offensichtlich: Der Zugspitzgletscher – genauer: der Nördliche Schneeferner – schmilzt unaufhörlich.

Eigentlich, sagt der Forscher Matthias Bernhardt, sei das gar kein Gletscher mehr, weil er sich nicht mehr bewege, nicht mehr fließe. Sondern nur noch "ein Toteis".

Und die Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch dieses letzte Überbleibsel der Gletscher in Deutschland bis Mitte des Jahrhunderts verschwunden sein wird.

Demonstranten empfangen Markus Söder

Markus Söder unterhält sich vor Beginn seiner Klimatour in der Zugspitzregion mit jugendlichen Greenpeace Aktivisten.
Markus Söder unterhält sich vor Beginn seiner Klimatour in der Zugspitzregion mit jugendlichen Greenpeace Aktivisten.  © DPA

Söder und der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sind auf die Zugspitze gefahren, um sich noch einmal direkt vor Ort über die Folgen des Klimawandels zu informieren.

Schon drunten an der Seilbahn werden die beiden Politiker von Jugendlichen von Greenpeace und vom Bund Naturschutz in Empfang genommen. "Die deutschen Gletscher sterben", steht auf Schildern, oder, optimistisch-fordernd, "Söder – Mann, der unsere Zukunft retten kann".

"Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist Viertel nach zwölf", sagt eine Schülerin, die aus Niedersachsen angereist ist. Eine andere klagt: "Eigentlich reden alle nur – man müsste aber jetzt etwas tun."

Sie halten Urnen mit Gletscher-Schmelzwasser in ihren Händen, eine davon überreichen sie dem CSU-Vorsitzenden.

Und Söder verspricht den Jugendlichen, etwas zu tun. Er verweist auf die Beratungen in Berlin über das große Klimaschutz-Paket der Bundesregierung. Eine "große Aufgabe", sagt er, oben am Gletscher spricht er von einer Jahrhundertaufgabe und ethischen Verpflichtung.

Markus Söder ist sich sicher, dass die GroKo liefern wird

Markus Söder (l, CSU), Ministerpräsident von Bayern, und Thorsten Glauber (r, Freie Wähler), Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz.
Markus Söder (l, CSU), Ministerpräsident von Bayern, und Thorsten Glauber (r, Freie Wähler), Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz.  © DPA

Söder will sich gerne als großer Klimaschützer profilieren. Er weiß aber, dass er mit seinem Kurs auch noch nicht alle in seiner Partei hinter sich hat – auch deshalb will er sich noch einmal die klare Botschaft der Experten auf der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus abholen. Auch passend zur CSU-Vorstandsklausur an diesem Freitag und Samstag.

Für Söder ist klar: Beim Koalitionsausschuss am 13. September und dem Klimakabinett eine Woche später muss die Koalition liefern. Und er ist auch optimistisch, dass das gelingt - auch wenn derzeit "noch viel gerungen" werde.

Die Geologen und Gletscherforscher an der Zugspitze blicken ebenfalls gespannt nach Berlin – auch wenn die dortigen Entscheidungen das Sterben der Gletscher in den Alpen nicht mehr verhindern könnten. Die Gletscher seien eine "aussterbende Art", sagt Wissenschaftler Bernhardt.

"Die werden, egal was wir hier tun, verschwinden." Umso mehr kommt es nun aus Sicht der Fachleute auch darauf an, sich auf die drohenden Veränderungen bestmöglich einzustellen. Beispielsweise: Was bedeutet das Schmelzen der Gletscher, was das Auftauen des Permafrosts für die Wasserversorgung? Und wie kann man drohende Bergstürze, die durch Permafrost-Veränderungen drohen, vorhersagen?

Auch Söder bleibt realistisch: Deutschland alleine werde das Klima nicht retten. "Aber wir können einen wichtigen Beitrag leisten."

Titelfoto: DPA

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