So hebelte Martin Luther den Nikolaus aus

Wer aber wandert in dieser Zeit durch den Winterwald und kommt dann in die Stadt zu den Kindern ? Das ist St. Nikolaus!
Wer aber wandert in dieser Zeit durch den Winterwald und kommt dann in die Stadt zu den Kindern ? Das ist St. Nikolaus!

Von Jan Berger

Viele Kinder - am verbreitetsten in Sachsen und Bayern - fanden am Sonntag in ihrem Schuh eine kleine Aufmerksamkeit: Äpfel, Nüsse, Tannenzweige und einen Schokoladen-Nikolaus.

Auf die „Große Bescherung“ müssen sie aber noch ein paar Wochen warten. Das war nicht immer so. Nikolaus von Myra war ein Bischof in der heutigen Gegend von Antalya.

Über Geburts- und Todesjahr zwischen 270 und 365 streiten sich die Historiker, doch eines ist sicher: Er muss an einem 6. Dezember gestorben sein.

Nach seinem Tode blühten Berichte über seine Wundertätigkeit. So habe er einen Seesturm gestillt oder in Hungerszeiten das Korn vermehrt.

Dass er als großer Schenker gilt, verdankt er der Legende um die Mitgiftspende: Ein verarmter Mann erwog, seine drei Töchter zu Prostituierten zu machen - für eine standesgemäße Heirat fehlte ihm das Geld. Drei Nächte lang schlich Nikolaus vor das Fenster und warf jeweils einen Goldklumpen hinein, so dass es für die Mitgift reichte. Der alte Mann lauerte ihm aber auf und erkannte den Wohltäter.

Der Reformator Martin Luther schuf die Heiligenverehrung des Nikolaus ab. Manche Historiker schreiben ihm sogar die Erfindung des Christkindes zu.
Der Reformator Martin Luther schuf die Heiligenverehrung des Nikolaus ab. Manche Historiker schreiben ihm sogar die Erfindung des Christkindes zu.

Die Beschererei wurde aber im Mittelalter mit einem weiteren Brauch kombiniert: Die Befragung der Kinder, ob sie denn brav und fromm gewesen sind. Zwar endeten die meisten Nikolausbesuche für die Kleinen mit einem kleinen Geschenk, doch vorher mussten sie sich meist noch eine Moralpredigt anhören.

In den verschiedenen christianisierten Ländern bekam der Nikolaus auch einen - oft Furcht einflößenden - Begleiter zur Seite gestellt, der hierzulande bekannteste ist Knecht Ruprecht. Der trug die Rute und war auch für die Strafandrohung zuständig.

Heutzutage gilt die Rute nur noch als Folklore.

Schon im 16. Jahrhundert war Nikolaus für die Kinder - wegen der Geschenke - der Höhepunkt des Jahres. Diese Heiligenverehrung missfiel dem Reformator Martin Luther aber sehr.

Der Nikolaus heutzutage.
Der Nikolaus heutzutage.

Statt diesem irdischen Vertreter solle doch der „Heilige Christ“ verehrt werden - und zwar am 25. Dezember. Nach 1535 hielten sich auch immer mehr Gläubige daran, vornehmlich die Protestanten.

Luther dachte dabei mitnichten an ein „Jesuskind“. Doch auf die sich verschieden entwickelnden Weihnachtsbräuche hatte er keinen Einfluss.

Das Volk erfand nämlich das „Christkind“. Das unterschied sich erheblich vom Nikolaus, war es doch eher ein kitschig-goldgelocktes Engelchen.

Die Ironie der Geschichte: Die Katholiken verehren heute viel mehr das „lutherische“ Christkind, bei den Protestanten kommt zumeist der an den katholischen Nikolaus erinnernde „Weihnachtsmann“.

Der Geschenkmarathon startet inzwischen aber schon am Heiligabend, dem 24. Dezember.

Fotos: Imago (3), Felix Kästle (1)


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