Nach Massen-Krankschreibung: Air Berlin kämpft um Flugbetrieb

Unbesetzt ist ein Serviceschalter von Air Berlin am Berliner Flughafen Tegel
Unbesetzt ist ein Serviceschalter von Air Berlin am Berliner Flughafen Tegel  © DPA

Berlin - Den zweiten Tag in Folge machen Krankmeldungen von Piloten der insolventen Air Berlin zu schaffen. Es drohen auch an diesem Mittwoch erneut Dutzende Flugausfälle.

Es "liegen uns gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers vor", schrieben Vorstandschef Thomas Winkelmann und seine Kollegen Oliver Iffert und Martina Niemann am Dienstag in einem internen Brief an die Piloten.

32 Flüge werden am Mittwoch gestrichen. Besonders betroffen seien der Flughafen Berlin-Tegel mit sieben und der Flughafen Düsseldorf mit fünf Ausfällen, sagte eine Sprecherin der Fluglinie am Morgen. Die weiteren Ausfälle verteilten sich auf verschiedene Flughäfen. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass im weiteren Verlauf des Mittwochs noch weitere Flüge gestrichen werden müssten.

Eigentlich waren für Mittwoch 182 Starts und Landungen von Air-Berlin-Fliegern in Düsseldorf geplant.

"Das bedeutet, dass uns am Mittwoch ein ähnliches operatives Desaster wie heute droht. Dies wird uns noch näher an den Abgrund bringen", heißt es in dem internen Brief weiter.

Die Maschinen von Air Berlin bleiben im Düsseldorfer Wartungshangar.
Die Maschinen von Air Berlin bleiben im Düsseldorfer Wartungshangar.  © DPA

Bereits am Dienstag hatten sich etwa 200 Kollegen krank gemeldet, mehr als 100 Flüge fielen aus, Tausende Passagiere waren betroffen.

Nach Berechnungen der Air-Berlin-Finanzabteilung habe dieser Ausfall die Fluglinie rund fünf Millionen Euro gekostet, wie TAG24 berichtete. Sowohl die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit als auch der Betriebsrat ermahnten gesunde Kollegen, zur Arbeit zu gehen.

"Wir laufen massiv Gefahr, den Investorenprozess, den wir mit dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung begonnen haben, nicht mehr zu einem möglichst positiven Ende zu führen", betonten die Vorstandsmitglieder. Um Investoren nicht zu verschrecken und möglichst viele Arbeitsplätze zu retten, sei es "entscheidend, den Flugbetrieb kurzfristig zu stabilisieren".

Zum Schluss betont der Vorstand, dass kranke Kollegen natürlich zu Hause bleiben müssten. "Aber für alle anderen gilt: Kommt Eurer Verantwortung für unsere Passagiere und die Arbeitsplätze aller Air Berliner nach und kommt zur Arbeit, damit wir einen unkontrollierten Zusammenbruch des Unternehmens vermeiden können.

Bleibe es bei diesem Krankenstand, drohe vermutlich eine vollständige Liquidation der Fluggesellschaft, warnte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus im Intranet des Unternehmens. Kebekus soll die Airline sanieren und verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Interessenten über einen Verkauf.

Update 9.17 Uhr:

Wegen fehlender Air-Berlin-Crews hat die Lufthansa-Tochter Eurowings auch am Mittwoch zahlreiche Flüge abgesagt. Bis zum Mittag wurden 35 Verbindungen aus dem Flugplan gestrichen, wie die Fluggesellschaft über ihre Homepage mitteilte. Sie hat 33 Flugzeuge samt Besatzungen bei der insolventen Air Berlin angemietet.

Chaos am Schalter von Air Berlin: Reisende auf dem Flughafen in Düsseldorf müssen warten, weil ihre Flüge annulliert wurden.
Chaos am Schalter von Air Berlin: Reisende auf dem Flughafen in Düsseldorf müssen warten, weil ihre Flüge annulliert wurden.  © DPA

Titelfoto: DPA


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