Matthias Ginter nach Ausfall von Niklas Süle auf dem Weg zum DFB-Abwehrchef?

Mönchengladbach - Viele trauen ihm diese Rolle nicht zu! Doch Matthias Ginter (25) wird im wichtigen EM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Weißrussland am Samstagabend (20.45 Uhr) der Abwehrchef sein.

Matthias Ginter ist der erfahrenste Innenverteidiger im DFB-Kader von Jogi Löw.
Matthias Ginter ist der erfahrenste Innenverteidiger im DFB-Kader von Jogi Löw.  © dpa/Federico Gambarini

Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Niklas Süle (Kreuzbandriss), dem Fehlen von Antonio Rüdiger (langwierige Leistenverletzung), der Sperre von Emre Can und der Weigerung von Bundestrainer Joachim Löw, Mats Hummels und Jérôme Boateng wieder zu nominieren, gibt es keine Alternativen in der Innenverteidigung, die diese Rolle aktuell ausfüllen könnten.

Ohnehin kommt Ginter in der öffentlichen Wahrnehmung oft viel zu schlecht weg. Dabei ist er seit vielen Jahren einer der verlässlichsten deutschen Abwehrspieler, der konstant seine Leistung bringt, nur selten individuelle Fehler macht und torgefährlich ist.

Sicher, Ginter ist kein Lautsprecher und auch niemand, der einem während des Spiels besonders auffällt, wenn man nicht explizit auf ihn achtet.

Doch dafür ist er flexibel einsetzbar, zweikampfstark und verfügt über einen erstklassigen Spielaufbau. Zusätzlich kommt er oft ohne Fouls aus, gewinnt die Bälle für seine Mannschaft also auf faire Art und Weise.

In den letzten Jahren ist er zudem immer stärker in die Rolle eines Führungsspielers hinein gewachsen. Dennoch gibt es hier noch Entwicklungspotenzial für den ruhigen Ginter.

Matthias Ginter wurde von SC Freiburgs Trainer Christian Streich entscheidend gefördert

Damals noch gemeinsam auf dem Podium: Matthias Ginter (r.) und Jérôme Boateng.
Damals noch gemeinsam auf dem Podium: Matthias Ginter (r.) und Jérôme Boateng.  © dpa/Soeren Stache

Doch wer wird an seiner Seite spielen? Jonathan Tah läuft seiner Form und seinem Potenzial in dieser Saison bislang hinterher, Niklas Stark spielt ebenfalls eine durchwachsene Runde, sodass nur noch Newcomer Robin Koch zur Verfügung steht.

Der 23-jährige Sohn vom Deutschen Meister aus dem Jahre 1998, Harry Koch, spielt aktuell in der Stadt, in der Ginter geboren wurde: Freiburg.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Nicht nur Koch kickt für den Sport-Club, auch Ginter war insgesamt neun Jahre im Breisgau aktiv und hat SCF-Coach Christian Streich viel zu verdanken.

Er kam im Alter von elf Jahren aus der Jugend des SC March zum Sport-Club, folgte damit seinem älteren Bruder Niklas, der seine Karriere allerdings wegen vieler Verletzungen vorzeitig beenden musste und nun als Berater tätig ist - natürlich auch von "Matze".

Der durchlief alle Jugend-Mannschaften des SC. und ließ sich auch von einem Schien- und Wadenbeinbruch im September 2009 nicht ausbremsen und entwickelte sich schnell weiter. Mit Streich, der immer ein Fürsprecher Ginters war, feierte er dann gemeinsam in der U19 erste große Erfolge.

An der Seite von Christian Günter und Alexander Schwolow holte er am 21. Mai 2011 nach einem hochklassigen und spannenden Match den DFB-Pokal der U19-Junioren im Berliner Amateurstadion durch einen 7:5-Sieg nach Elfmeterschießen gegen den FC Hansa Rostock, wo damals Johannes Brinkies, Tom Weilandt, Ben Zolinski und Sargis Adamyan spielten.

Matthias Ginter gewann zweimal die Fritz-Walter-Medaille in Gold und traf bei seinem Bundesliga-Debüt

Matthias Ginter (r.) wird am Samstagabend wie gewohnt im Borussia-Park auflaufen. Diesmal allerdings nicht im Trikot von Bundesliga-Spitzenreiter Gladbach, sondern vom DFB.
Matthias Ginter (r.) wird am Samstagabend wie gewohnt im Borussia-Park auflaufen. Diesmal allerdings nicht im Trikot von Bundesliga-Spitzenreiter Gladbach, sondern vom DFB.  © dpa/Federico Gambarini

Zu dieser Zeit kam Ginter noch auf verschiedenen Positionen im zentralen Mittelfeld zum Einsatz und war für seine Torgefahr bekannt. So traf er für Freiburgs A-Jugend in 46 Spielen satte 24 Mal.

Auch bei seinem Bundesliga-Debüt am 21. Januar 2012 wurde er nach seiner Einwechslung in der 70. Minute im Mittelfeld eingesetzt - und erzielte per Kopf im wichtigen Kellerduell gegen den FC Augsburg zwei Minuten vor dem Ende den 1:0-Siegtreffer für den SC!

Ein märchenhaftes Debüt, durch das er sich schnell in die Herzen der Freiburger Anhänger spielte. Und nur wenige Monate später konnte er die nächste Schale in seiner noch ganz jungen Karriere in die Höhe stemmen.

Im letzten Spiel für die Freiburger U19 verteidigte er am 12. Mai 2012 den DFB-Pokal der A-Junioren mit einem hart erkämpften, aber überzeugend erspielten 2:1-Sieg über die U19 von Hertha BSC um Nico Schulz und John Anthony Brooks.

Als wäre das noch nicht genug, wurde Ginter sowohl 2012, als auch 2013 mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold als bester Jugendspieler seines Jahrgangs ausgezeichnet.

Matthias Ginter ist seit fünf Jahren deutscher Nationalspieler und stand auch bei der WM 2014 im Kader

Matthias Ginter spielt seit mehr als zwei Jahren bei Borussia Mönchengladbach und zeigt dort konstant gute Leistungen.
Matthias Ginter spielt seit mehr als zwei Jahren bei Borussia Mönchengladbach und zeigt dort konstant gute Leistungen.  © dpa/Marius Becker

Zwar bremste ihn in der kommenden Saison eine Wirbelverletzung zeitweise aus, doch davon abgesehen entwickelte er sich unter Streich schnell zum unumstrittenen Bundesliga-Stammspieler und weckte das Interesse größerer Vereine.

Auch Löw, der bekanntlich oft im Schwarzwaldstadion vorbeischaut, blieb Ginters Entwicklung nicht verborgen. Am 5. März 2014 debütierte er beim 1:0-Sieg gegen Chile in der Nachspielzeit und war fortan immer im Kader.

So kam er bei der legendären Weltmeisterschaft 2014 zwar nicht eine Minute zum Einsatz, gehörte aber der Mannschaft an und darf sich deshalb auch Weltmeister nennen.

Wenige Wochen später verließ er dann seine Heimat und schloss sich Borussia Dortmund an, das zehn Millionen Euro Ablöse für ihn zahlte.

Dort war die Konkurrenzsituation mit Ausnahmespielern wie Hummels, Sokratis Papastathopoulos und auch Neven Subotic allerdings eine ganz andere.

Viele zweifelten an Ginters Reife. Dennoch kam er auch unter Klopps Nachfolger Thomas Tuchel regelmäßig zum Einsatz, teils im defensiven Mittelfeld, teils in der Abwehrzentrale und auch als rechter Außenverteidiger.

Matthias Ginter spielte unter all seinen Profi-Trainern regelmäßig

Matthias Ginter setzte sich bei all seinen Vereinen durch und kam überall regelmäßig zum Einsatz.
Matthias Ginter setzte sich bei all seinen Vereinen durch und kam überall regelmäßig zum Einsatz.  © dpa/Christian Charisius

In drei Jahren absolvierte Ginter stolze 102 Partien (vier Tore, zwölf Vorlagen) für den BVB, gekrönt mit dem DFB-Pokal-Sieg am 27. Mai 2017 gegen Eintracht Frankfurt im Berliner Olympiastadion (2:1).

Nur wenige hundert Meter weiter hatte er zweimal mit der U19 triumphiert.

Am 2. Juli durfte Ginter dann schon die nächste Trophäe in den Himmel stemmen: Als Stammspieler holte er am 2. Juli 2017 den Confederations Cup dank eines 1:0-Erfolgs gegen Chile.

Schon damals, im Alter von 23 Jahren, war er übrigens der zentrale Spieler in Löws Dreierabwehrkette. Den Part als Abwehrchef nahm er auch bei seiner nächsten Station ein.

Denn nur zwei Tage nach diesem neuerlichen großen Sieg wechselte er den Verein. Für 17 Millionen Euro holte ihn Borussia Mönchengladbach, wo er seit mehr als zwei Jahren unumstrittener Abwehrchef ist und in dieser Saison die Tabellenspitze der 1. Bundesliga erklommen hat.

79 Spiele (sieben Tore, drei Vorlagen) sprechen eine deutliche Sprache. Und egal, ob unter Streich, Löw, Klopp, Tuchel, Dieter Hecking oder Marco Rose: Ginter kam und kommt bei jedem regelmäßig zum Einsatz. Und das liegt bestimmt nicht daran, dass ihm die Qualität fehlt, wie viele so oft meinen...

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