Europaweiter Skandal? Kranke Tiere geschlachtet und Fleisch aufbereitet verkauft

Mazóvia - Mitten in der Nacht in einem Schlachthof im polnischen Mazóvia: Mehrere kranke Kühe werden von Arbeitern heimlich ins Gebäude geschmuggelt.

In den Aufnahmen des Fernsehteams ist zu sehen, wie die Kühe, die sich nicht mehr auf den Beinen halten konnten, mittels Seilwinde transportiert werden.
In den Aufnahmen des Fernsehteams ist zu sehen, wie die Kühe, die sich nicht mehr auf den Beinen halten konnten, mittels Seilwinde transportiert werden.  © Screenshot Twitter

Die Tiere sind schwach, können sich kaum auf den Beinen halten. Einige von ihnen stürzen zu Boden. Die Arbeiter befestigen an Beinen und Hörnern eine Seilwinde, transportieren die kranken Kühe so zu ihrem Zielort.

Eine übliche tierärztliche Untersuchung ist nicht nötig. Die Verantwortlichen wissen, dass die Tiere nicht gesund sind. Dennoch werden sie zum Schlachten bereit gemacht, um ihr Fleisch als "gesunde Nahrung" zu verkaufen.

Was wie der Anfang von einem üblen Horrorfilm klingt, ist tatsächlich Realität. Das Investigativ-Reporterteam von „Superwizjer" strahlte entsprechende Aufnahmen in ihrer Sendung aus.

Dem Fernsehteam war es gelungen, einen Informanten in den Fleischbetrieb einzuschleusen. Wie der "Guardian" berichtet, arbeitete dieser fast drei Wochen in dem Betrieb - und machte schockierende Entdeckungen.

Das Fleisch der erkrankten Kühe wurde ohne jede Untersuchung einfach mit einem Stempel "für den Verzehr unbedenklich" gekennzeichnet und verpackt. Ein Tierarzt sei nur vor Ort gewesen, um die entsprechenden Formulare zu unterzeichnen, nicht jedoch aber das Fleisch tatsächlich zu kontrollieren.

"Ich wurde von meinen Vorgesetzten angewiesen das Fleisch ansehnlicher zu machen und als gesund zu kennzeichnen. Es war schrecklich, glauben Sie mir. Beim Geruch des verrottenden Fleischs wird einem schlecht. Ich musste es ansehnlicher machen, indem ich es mit meinem Messer schrubbte", sagte der fassungslose Reporter in einem Interview. Den Tieren sollen Tumore und Druckstellen entfernt worden sein.

Laut den Aussagen des Informanten wären allein in den drei Wochen, in denen er angestellt war, auf diese Weise 28 kranke Kühe verarbeitet worden. Schlachtungen ohne entsprechende ärztliche Aufsicht stünden demnach an der Tagesordnung.

Doch der Skandal betrifft nicht nur Polen: Höchstwahrscheinlich wurde das Fleisch auch nach Deutschland und in andere Länder exportiert. Demnach werden 80 Prozent der Erzeugungen in andere Länder verkauft.

Experten sind sich sicher, dass das Fleisch starke Gesundheitsrisiken für den Menschen darstellt. Chris Elliot, Professor für Lebensmittelsicherheit gegenüber dem Guardian: „Wenn es auch nur den kleinsten Beweis dafür gibt, dass dieses Fleisch Polen verlassen hat, dann besteht die Möglichkeit einer europaweiten Sicherheitswarnung.“

Die polnische Regierung wurde inzwischen aufgefordert, der Sache auf den Grund zu gehen und rasch zu handeln. Alle europäischen Staaten, die eventuell das verseuchte Fleisch verkauft haben könnten, sollen informiert werden.

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