Tafeln wollen bei Dieselfahrverboten Ausnahmegenehmigungen

Mechernich – Die drohenden Dieselfahrverbote in einigen NRW-Städten bereiten auch Hilfsorganisationen wie den Tafeln Kopfzerbrechen. Mit den Transportfahrzeugen holen sie die Lebensmittel von den Spendern.

Ein Kunde der Essener Tafel wartet vor einem Tafel-Kühlfahrzeug auf die Lebensmittelausgabe.
Ein Kunde der Essener Tafel wartet vor einem Tafel-Kühlfahrzeug auf die Lebensmittelausgabe.  © DPA

Die Tafeln in Nordrhein-Westfalen wollen Ausnahmegenehmigungen beantragen, falls es zu Dieselfahrverboten kommt.

Dies sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Tafeln in NRW, Wolfgang Weilerswist, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Fahrverbote seien eine Herausforderung für die Arbeit der Tafeln. "Wir haben ja nicht nur die neuesten Modelle, sondern auch viele ältere. Damit würden wir in bestimmte Städte nicht mehr reinkommen. Wir haben auch nicht das Geld für eine Umrüstung oder eine Neuanschaffung."

Die Tafeln bräuchten eine kostenlose Hardwarenachrüstung oder Hilfe in anderer Form, sagte er weiter. Er schätzte die Zahl der Tafel-Fahrzeuge in Nordrhein-Westfalen auf rund 1.000.

Mit Last- und Kühlwagen sammeln die Tafeln überschüssige Lebensmittel und andere Waren von Händlern und Herstellern ein und verteilen sie an Bedürftige.

Gerichte hatten Fahrverbote etwa für Köln und Essen angeordnet. Die Urteile sind aber noch nicht rechtskräftig.

Kunden der Essener Tafel gehen mit ihren Einkaufstrolleys zur Ausgabestelle.
Kunden der Essener Tafel gehen mit ihren Einkaufstrolleys zur Ausgabestelle.  © DPA

In Nordrhein-Westfalen gibt es laut Weilerswist 173 Tafeln, zwei weitere seien in Gründung. Insgesamt arbeiteten rund 17.000 Menschen mit.

Etwa zehn Prozent von ihnen hätten einen Arbeitsvertrag, die anderen arbeiteten ehrenamtlich. "Wir sind nicht auf dem absterbenden Ast, sondern wir werden immer mehr", sagte der 68-Jährige, die auch die Tafel im Eifelstädchen Mechernich leitet.

"Sie werden nicht mehr hören, dass unser Ziel die Selbstauflösung ist. Wir müssen anerkennen, dass es einen Niedriglohnsektor gibt. Wer heute den Mindestlohn bekommt, lebt an der Armutsgrenze, wenn er in Rente geht."

Als Beispiele nannte er Teilzeitbeschäftigte in der Pflege oder der Gastronomie. Zweck der Tafeln sei es aber auch weiterhin, Lebensmittel zu retten.

Weilerswist ging auch auf die Debatte über Armut in Deutschland ein, die im Frühjahr nach der umstrittenen Entscheidung der Essener Tafel, vorübergehend keine Ausländer mehr neu aufzunehmen, geführt wurde. Dies habe dazu beigetragen, dass die Politik nun über Wohnungsnot und Altersarmut spreche. Die Essener Tafel hatte diesen Schritt mit einem sehr hohen Anteil an Ausländern unter ihren Kunden begründet. Anfang April wurde die Regelung wieder abgeschafft.

Die Tafeln in NRW wollen die gespendeten Waren im kommenden Jahr intern gleichmäßiger verteilen. Ziel sei, dass mit Hilfe eines neuen EDV-Systems künftig auch kleinere Tafeln häufiger Waren von Großlieferungen erhalten, sagte Weilerswist.

Als Beispiele nannte er Lastwagenladungen an zu viel produzierten Windeln, Pizzen oder Kartoffelchips, die bislang vor allem an große Tafeln gingen, die über entsprechende Lagerkapazitäten verfügten. Größere Verteilzentren gibt es in Münster, Dortmund, Dormagen, Köln und Aachen.

Titelfoto: DPA

Mehr zum Thema Sozialpolitik:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0