Starke Nebenwirkungen und extrem teuer: Das miese Spiel mit den Krebs-Medikamenten

Nach der Zulassung von Krebsmedikamenten ist aus Sicht eines Arzneimittelexperten mehr Forschung zum Nutzen erforderlich.
Nach der Zulassung von Krebsmedikamenten ist aus Sicht eines Arzneimittelexperten mehr Forschung zum Nutzen erforderlich.  © 123rf.com/luchschen

Berlin - 2016 stiegen die Ausgaben der Kassen im Arzneibereich um mehr als drei Prozent auf 38,5 Milliarden Euro. Angesichts der explodierenden Kosten sollen vor allem neue Krebsmedikamente künftig schärfer überprüft werden.

Die Mittel brächten den Patienten oft nur einige Monate mehr Lebenszeit, hätten aber meist starke Nebenwirkungen und seien extrem teuer, sagte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken, der Deutschen Presse-Agentur.

Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen forderte die Politik auf, Lücken bei der Bewertung des Mehrwerts der Mittel für die Patienten zu schließen. Oft würden neue Arzneimittel nicht immer mehr nutzen als ältere.

"Nach wie vor werden Onkologika überdurchschnittlich gut bewertet", sagte Hecken. Nur jedem fünften der 88 bewerteten Krebsmittel sei kein Zusatznutzen beschieden worden.

Aber: "Die meisten dieser Therapien bringen den Patienten lediglich ein längeres Leben von im Schnitt drei bis sechs Monaten", so Hecken. Mehr Lebensqualität gebe es selten. Viele Mittel kombinierten Chemotherapien. Nebenwirkungen stiegen so oft dramatisch an.

Oft handele es sich um biologische Arzneimittel, die gezielt am Tumor ansetzen, aber extrem teuer sind. "Die Jahrestherapiekosten betragen zu Beginn im Schnitt 100.000 Euro mit steigender Tendenz. Noch ausgeprägter ist die Kostensteigerung bei den jetzt häufigen Kombinationstherapien."

So stiegen die Arzneikosten bei Hautkrebs mit Metastasen auf rund 200.000 Euro pro Patient und Jahr.

In der Diagnostik der Radiologie der Universitätsmedizin in Rostock wird mit Hilfe der Magnetresonanztomographie ein Tumor festgestellt.
In der Diagnostik der Radiologie der Universitätsmedizin in Rostock wird mit Hilfe der Magnetresonanztomographie ein Tumor festgestellt.  © Bernd Wüstneck/dpa

Johann-Magnus von Stackelberg, Vizechef des Kassen-Spitzenverbands, kritisierte zudem: "Insbesondere Arzneimittel gegen Krebs werden immer öfter ohne finale klinische Prüfungen zugelassen."

Hersteller müssten eigentlich aussagekräftige Daten zum Nutzen-Risiko-Verhältnis nachliefern. "Die Praxiserfahrungen sind leider andere."

Hecken verlangte gleich mehrere Verschärfungen: "In Zukunft müssen neue Wirkstoffe schlechter bewertet werden, wenn keine Angaben zur Lebensqualität vorliegen."

Preisverhandlungen sollten zudem für ähnliche Medikamente zur Behandlung einer Erkrankung ermöglicht werden - statt wie heute nur für einzelne Mittel. Sonst solle es pauschale Abschläge für alle beteiligten Hersteller geben.

Der Pharmaverband vfa betont dagegen den Wert "innovativer Onkologika". Sie seien hochwirksam. Unnötige Therapien und Therapieabbrüche würden vermieden. Eingesetzt würden sie nur, "wo es keine Behandlungsalternative gibt oder wo sie aufgrund ihrer besseren Wirksamkeit im Vergleich zu bestehenden Therapien sinnvoll sind".

Gerade bei biologischen Arzneimitteln (Biologika) forderte Hecken aber "bessere Einspareffekte". Für diese gibt es oft günstigere Nachfolge-Präparate, so genannte Biosimilars. Ihr Preisabstand zum Original beträgt heute höchstens 20 Prozent. Er solle auf bis zu 40 Prozent wachsen.

Ärzte würden zudem zu oft lieber beim teuren Original bleiben, obwohl ein Biosimilar ebenso wirke.

Titelfoto: Bernd Wüstneck/dpa, 123rf.com/luchschen


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