Graffiti-Künstler Tasso sprayt seine Babys neu

Meerane - In Westsachsen passiert gerade eine Premiere: Mit Jens Müller (52), besser bekannt als Tasso, restauriert vermutlich erstmals ein Graffiti-Künstler sein eigenes Werk. Für die Finanzierung sorgte der Freie-Wähler-Kandidat und Integrationshelfer Udo Friedrich (49).

In Meerane hat Jens Müller (52) alias Tasso sein erstes großes Graffiti-Kunstwerk restauriert.
In Meerane hat Jens Müller (52) alias Tasso sein erstes großes Graffiti-Kunstwerk restauriert.  © Sven Gleisberg

Im Jahr 2000 machte sich der gelernte Fleischer und einst illegale Graffiti-Sprayer Tasso als Künstler selbstständig. Sein erstes großes Werk waren die beiden überdimensionalen Zwillings-Babyköpfe auf einer Hauswand im Meeraner Nelkenweg - nach einer realen Fotovorlage.

Tasso erinnert sich: "Anwohner meckerten damals, was das für ein Scheiß wäre." Doch irgendwann liebten die Leute die Kindsköpfe. Heute kennt das Bild jeder als "Nelkenweg-Babys". Auch den Künstler machte das Graffito über Nacht berühmt. Vor allem dank eines achtseitigen Berichts in einem angesagten Airbrush-Magazin.

Doch nicht nur Ruhm verblasst, auch ein Graffito. Für Udo Friedrich sehr schade: "Rund um den Nelkenweg wurden die ersten Flüchtlinge vor Jahren freundlich aufgenommen. Deshalb wollte ich etwas zurückgeben."

Der umtriebige Ehrenamtler sprach Tasso an, die Nelkenweg-Babys zu erneuern. Den halben April über stellten sie ein Gerüst auf, schleiften die rissige Wand ab. Dann griff Tasso zu den Spraydosen und erneuerte Schritt für Schritt sein Riesenwerk.

Diese Woche möchte Tasso fertig werden. Er ist stolz auf seine Doppel-Arbeit: "Udo und ich sehen das Bild als Geschenk an unsere Heimatstadt Meerane."

Sponsor Udo Friedrich (l.) hat den bekannten Künstler beauftragt.
Sponsor Udo Friedrich (l.) hat den bekannten Künstler beauftragt.  © Sven Gleisberg
Zwei überdimensionale Zwillings-Babyköpfe zieren die Hauswand im Meeraner Nelkenweg.
Zwei überdimensionale Zwillings-Babyköpfe zieren die Hauswand im Meeraner Nelkenweg.  © Sven Gleisberg

Titelfoto: Sven Gleisberg

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