Mega-Tradition: Hier spielt Deutschlands ältester Fußballclub

Ein Mannschaftsfoto aus dem Jahr 1891, in dem Germania eine (inoffizielle) deutsche Meisterschaft feierte.
Ein Mannschaftsfoto aus dem Jahr 1891, in dem Germania eine (inoffizielle) deutsche Meisterschaft feierte.  © DPA

Berlin – Für die Schlagzeilen im Berliner Fußball sorgen Hertha BSC oder der aufstiegswillige 1. FC Union. Den ältesten Fußball-Club Deutschlands kennt hingegen kaum jemand. Dabei kommt der auch aus der Hauptstadt - genauer gesagt aus Tempelhof.

Der BFC Germania 1888 feiert am Karsamstag seinen 129. Geburtstag. Eine große Sause wie zum 125. Bestehen fällt jedoch aus.

"Es gibt ein gemeinsames Frühstück, einen Sektempfang und einige Ehrungen", verrät der 1. Vorsitzende Heinz-Dietrich Kraschewski.

Der älteste noch bestehende Fußballclub Deutschlands hat in seiner langen Historie indes schon bessere Zeiten gesehen.

Bald nachdem Paul Jestram am 15. April 1888 den BFC Germania gegründet hatte, feierte der Verein nach eigenen Angaben 1890 und 1891 zwei deutsche Meisterschaften.

Da der DFB erst am 28. Januar 1900 gegründet wurde, tauchen diese Titel nicht in der deutschen Fußball-Chronik auf. Aktuell spielt Germania in der Kreisliga B, Staffel 1 und belegt Rang neun.

Dieses Foto zeigt die Mannschaft von 1904.
Dieses Foto zeigt die Mannschaft von 1904.  © DPA

Die Tempelhofer hatten sogar einen Nationalspieler in ihren Reihen. Beim ersten Länderspiel einer DFB-Elf im Jahre 1908 stand der Berliner Fritz Baumgarten im Tor.

Von der üppigen Club-Geschichte zeugen Pokale, Ehrenwimpel und alte Fotografien an der Wand eines Gebäudes im ersten Obergeschoss an der Götzstraße in Alt-Tempelhof, dem Vereinsheim. Urkunden, Jubiläums-Hefte, Festreden und Medaillen - teils aus der Kaiserzeit - bewahrt Kraschewski in einer gelben Postkiste auf.

Auch Anekdoten erzählen von der bewegten Vergangenheit. In Berlin kursiert die Geschichte, Fritz Lindner wollte 1892 seinen neu gegründeten Verein ebenfalls Germania nennen. Aus Respekt vor dem bereits bestehenden Tempelhofer Club tat er es jedoch nicht. Er entschied sich dafür, dem Verein den Namen eines blau-weißen Dampfers zu geben: Hertha.

Viel haben sie nicht, aber jede Menge Tradition.
Viel haben sie nicht, aber jede Menge Tradition.  © DPA

Viele Jahre später wollte sich der Hamburger SV zur Gründung der Bundesliga 1963 den Titel des ältesten existierenden Vereins Deutschlands für seinen Briefkopf sichern. Vom DFB kam indes eine Absage.

"Is' nich', da jibt es noch diesen kleenen Berliner Verein", erzählt Kraschewski. Auf dem Vereinsgelände hängt nicht ohne Grund eine Flagge mit der Aufschrift: "Der älteste Fußball-Club Deutschlands begrüßt seine Gäste."

Vom Deutschen Fußball-Bund kam 1988 der damalige Schatzmeister Egidius Braun zur 100-jährigen Jubiläumsfeier ins Rathaus Tempelhof.

Heinz-Dietrich Kraschewski, erster Vorsitzender des Vereins BFC Germania 1888.
Heinz-Dietrich Kraschewski, erster Vorsitzender des Vereins BFC Germania 1888.  © DPA

Eine von Kraschewskis Lieblings-Anekdoten dreht sich um einen Einwechsel-Spieler, dessen Namen er nicht verraten möchte. Damals trug die Germania ihre Heimspiele noch an der Bosestraße aus.

Es war sehr kalt. Kraschewskis Frau hatte Glühwein gekocht. Auch besagter Spieler trank von dem heißen Getränk. "Der hat sich am Glühwein warm gemacht. Als er dann aufs Feld kam, wollte er einen Eckball ausführen. Statt den Ball zu treffen, hat er voll die Eckfahne umgetreten", erzählt Kraschewski grinsend.

Wenn am Samstag der 129. Geburtstag gefeiert wird, steht kein Heimspiel der 1. Herrenmannschaft an. Es laufen stattdessen zum ersten Mal die G-Junioren der Germania auf.

Ein Sprecher wird dann die Aufstellungen verlesen. Die sieben- und achtjährigen Kicker sind die Zukunft des Clubs. Sie sorgen dafür, dass die Germania noch viele weitere Geburtstage feiern kann.

Viele Pokale zeugen von den großen und kleinen Titel des BFC Germania.
Viele Pokale zeugen von den großen und kleinen Titel des BFC Germania.  © DPA

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