Sachsen erlaubt „Mein Kampf“ im Unterricht

Eine kommentierte Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ könnte im sächsischen Schulunterricht verwendet werden.
Eine kommentierte Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ könnte im sächsischen Schulunterricht verwendet werden.

Von Torsten Hilscher

Dresden/ - Wie gefährlich ist dieses Buch heute noch? Ganz Deutschland debattiert den Umgang mit Hitlers „Mein Kampf“.

Nun, nachdem die Rechte gemeinfrei sind, darf das Machwerk auch an Schulen benutzt werden. Natürlich nur kommentiert. Doch der Lehrerverband unseres Nachbarlandes Thüringen spricht sich dagegen aus.

In Sachsen sieht es so aus: „Neben den genehmigten Schulbüchern und den Literaturempfehlungen macht das Sächsische Kultusministerium keine Vorgaben zur Bücherwahl im Unterricht“, lautet die Antwort auf eine entsprechende MOPO24-Anfrage.


Ob er die kommentierte Fassung von „Mein Kampf“ als Quelle in seinen Unterricht einbezieht, liege also beim Lehrer.

Kultusministerin Brunhild Kurth hofft auf einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Buch.
Kultusministerin Brunhild Kurth hofft auf einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Buch.

Kann da nichts schief gehen? Nein, heißt es weiter, denn:

„Unsere Lehrer haben eine hervorragende Ausbildung und das nötige pädagogisch-didaktische Rüstzeug, um Inhalte dieses Buches verantwortungsvoll mit den Schülern zu besprechen. Ziel muss es dabei sein, die NS-Ideologie zu entlarven, Schüler gegen Rechtsextremismus stark zu machen und sie zu Persönlichkeiten zu erziehen, die der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen extremistischen Tendenzen sowie Gewaltherrschaften entschieden entgegen treten“, erklärt Kultusministerin Brunhild Kurth (61, CDU).

In Thüringen aber soll „Mein Kampf“ voraussichtlich nicht im Unterricht behandelt werden, berichtet der mdr. Der Thüringer Lehrerverband habe einer entsprechenden Forderung des Deutschen Lehrerverbandes widersprochen. Bildungsministerin Birgit Klaubert (61, Linke) sieht das zumindest persönlich ähnlich.

In ihrer Amts-Funktion forderte sie eine einheitliche Entscheidung und Haltung der Kultusministerkonferenz zum Thema. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (64, CDU) hingegen hat sich bereits dafür ausgesprochen, dass die (kommentierte) Neuausgabe bundesweit im Schulunterricht eingesetzt werden sollte.

Karikaturist und Buchautor Walter Moers ließ „Addi“ im animierten Trickfilm wieder auferstehen.
Karikaturist und Buchautor Walter Moers ließ „Addi“ im animierten Trickfilm wieder auferstehen.

Hintergrund: Am Freitag kommt eine Neu-Ausgabe von „Mein Kampf“ auf den Markt. Denn nach 70 Jahren – bezogen auf das Todesjahr von Hitler - ist nun das Urheberrecht erloschen.

Das neue Buch ist eine kommentierte Ausgabe, die im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München - Berlin entstand. Titel: „Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition“, ISB-Nummer: 978-3-9814052-3-1, 59,00 Euro. 2000 Seiten.

Die Urversion von „Mein Kampf“ entstand 1924 bis 1926 in zwei Bänden.

Wie man auch (locker und gänzlich unhistorisch) mit Hitler umgehen kann, zeigt übrigens gerade Walter Moers‘ Streifen „Adolf – Er ist wieder da!“.

Der Karikaturist und Buchautor („Die Stadt der träumenden Bücher“, „Das kleine Arschloch“) ließ „Addi“ im animierten Trickfilm wieder auferstehen. So viel darf schon verraten werden: Der Führer ist nicht ganz „dicht“.

Fotos: Ove Landgraf, dpa, PR


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