Mein Sohn, der Mörder. Promi-Jägerin erinnert sich

Lutz und seine damalige Freundin Regina. Als sie ihn verlassen wollte, drehte er durch.
Lutz und seine damalige Freundin Regina. Als sie ihn verlassen wollte, drehte er durch.

Von Thomas Gillmeister

Leipzig - Als Promijägerin ist Käte Brabandt (70) stadtbekannt. Mit Selfies und Autogrammen versucht sie sich vom dunkelsten Kapitel ihres Lebens abzulenken. Denn vor 25 Jahren beging ihr Sohn Lutz in Leipzig einen abscheulichen Mord - den letzten, der zu DDR-Zeiten in Sachsen geschah. Dann tötete er sich selbst. Nun bricht die Mutter ihr Schweigen.

„Ich kann meinen Sohn nicht vergessen, ich kann ihm aber auch niemals verzeihen“, beschreibt die zerbrochene Mutter die Achterbahnfahrt ihrer Gefühle. Sie war so stolz auf ihren Lutz, als sie ihn im September 1963 auf die Welt brachte. 18 Jahre jung war sie damals und so verliebt in den Mann ihrer Träume.

Doch im Alltag zerbrach die Liebe. Lutz wuchs ohne Vater auf.

Käte Brabandt mit dem Bild ihres Sohnes Lutz, den sie trotz allem nicht vergessen kann.
Käte Brabandt mit dem Bild ihres Sohnes Lutz, den sie trotz allem nicht vergessen kann.

„Dabei ist er mir aus den Händen geglitten. Aus dem lieben netten Jungen wurde ein jähzorniger Luftikus“, erinnert sich die Mutter.

„Und dann stand mein Sohn plötzlich mit einer bildschönen Krankenschwester aus Thüringen bei mir in der Tür“, blickt Käte Brabandt zurück. „Er war so stolz auf seine Regina. Sie zogen zusammen, schwebten im siebten Himmel.“

Aber: Im Sommerurlaub 1990 verliebte sich Regina in einen anderen Mann, beichtete es Lutz Wochen später.

In der kleinen Wohnung in der Leisniger Straße kam es zur Eskalation: Aus Eifersucht stach der damals 26-jährige Lutz N. etwa 30 Mal auf seine Freundin ein. Anschließend schnitt er sich die Kehle durch.

Das Grab ihres Sohnes besuchte die Leipzigerin früher regelmäßig. Antworten fand sie dort aber keine.
Das Grab ihres Sohnes besuchte die Leipzigerin früher regelmäßig. Antworten fand sie dort aber keine.

Tagelang blieb das Blutbad im Leipziger Süden unbemerkt, bis es die Eltern von Regina L. am 9. September 1990 entdeckten.

Käte Brabandt erfuhr es damals aus der Zeitung.

Bei der Beerdigung stand sie mit ihrem Mann allein am Grab. „Mit einem Mörder möchte niemand etwas zu tun haben“, ist der Mutter bewusst.

In den ersten Jahren ging sie fast täglich zum Friedhof. Sie weinte, sie fragte, sie bekam keine Antworten. Käte Brabandt spürte, dass sie in den Alltag zurück muss, um nicht zu zerbrechen.

Sie stürzte sich ins Leben - und wurde Promijägerin.

Repro: Picture Point; Foto: Picture Point


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