Meine Meinung zur TSG-Saison: Risse in Nagelsmanns Andenken? Mitnichten!

Sinsheim - Das letzte Spiel von Julian Nagelsmann als Trainer des Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim hätte kaum bitterer verlaufen können. Nun wechselt der 31-Jährige nach Sachsen zu Ligakonkurrent RB Leipzig. Doch sein Vermächtnis bei der TSG wird durch den Ausgang dieser Saison nicht geschmälert.

Verlassen beide Hoffenheim zur kommenden Saison und sind nach dem Abpfiff im Mainz am Boden zerstört: Nico Schulz (links im Bild) und Kerem Demirbay.
Verlassen beide Hoffenheim zur kommenden Saison und sind nach dem Abpfiff im Mainz am Boden zerstört: Nico Schulz (links im Bild) und Kerem Demirbay.  © DPA

Die Anzeigetafel in der Mainzer Opel Arena am Samstag zeigte erbarmungslos das Endergebnis 2:4 aus Hoffenheimer Sicht an (TAG24 berichtete). Es herrschte Gewissheit, dass die TSG in der kommenden Spielzeit nicht in einem europäischen Wettbewerb vertreten sein wird.

Der Abschied von Julian Nagelsmann bekommt so einen bitteren Nachgeschmack. Seine Leistung schmälert das aber keineswegs.

Denn die TSG 1899 Hoffenheim hat dem 31-Jährigen extrem viel zu verdanken. Mit seiner Arbeit machte er in den vergangenen Jahren aus einem Abstiegskandidaten einen Champions League-Teilnehmer.

Er übernahm die Profis im Februar 2016. Die TSG befand sich zu dem Zeitpunkt in einer Krise und lag auf dem vorletzten Tabellenplatz. Nagelsmann führte die Mannschaft in 13 Spielen noch auf Platz 15 und machte dabei schon am 33. Spieltag den Klassenerhalt perfekt.

In der darauffolgenden Saison verzückte er dann mit seinem modernen, temporeichen Offensivspiel die Bundesliga und schloss die Spielzeit mit der TSG auf dem vierten Tabellenplatz ab, was Hoffenheim erstmals die Champions League-Qualifikation brachte. Zur Saison 2017/18 konnte er dann sogar noch einen draufsetzen. Nagelsmann wurde mit der TSG Dritter und qualifizierte sich somit direkt für die Königsklasse 2018/19.

Nagelsmann wird in Hoffenheim als Mensch fehlen

Julian Nagelsmann wurde nach der 2:4-Niederlage in Mainz von den Hoffenheim-Anhängern für seine Zeit bei der TSG gewürdigt.
Julian Nagelsmann wurde nach der 2:4-Niederlage in Mainz von den Hoffenheim-Anhängern für seine Zeit bei der TSG gewürdigt.

Doch nicht nur sportlich bedeutet der Weggang des gebürtigen Landsbergers einen Verlust für die Kraichgauer, sondern auch menschlich.

Nagelsmann ist charismatisch, hat das Herz am rechten Fleck und ist nicht ohne Grund auch bei Journalisten beliebt. Er vertritt immer einen klaren Standpunkt und wirft nicht mit glattgebügelten "Wischi-Waschi"-Aussagen um sich.

Erst am Donnerstag machte er klar, dass er sich selbst immer treu bleiben wollte und lobte sein Team in den höchsten Tönen: "Das Schönste im Leben in meinen Augen ist, wenn du dich mit Menschen abgibst, bei denen du 100 Prozent so sein kannst wie du bist und das war bei der Mannschaft immer so."

Wie sieht 100 Prozent Nagelsmann aus? "Ich konnte mal verrückt sein, mal nachdenklich, mal ernst, mal locker, mal fokussiert, sehr inhaltsgetrieben, sehr erfolgsgetrieben, aber nicht zu verbissen und das war immer sehr, sehr angenehm. Und das ist das größte Kompliment, was ich dieser Mannschaft machen kann und das werde ich ihr auch sagen", ergänzte er.

Wie sehr es den gebürtigen Landsberger mitnahm, dass er seinem Herzensverein nicht noch einmal das "Abenteuer Europa" ermöglichen konnte, sah man unmittelbar nach dem Abpfiff in Mainz in seinem Gesicht, das von Leere und Traurigkeit gezeichnet war.

Doch nicht nur bei ihm. Kerem Demirbay, der zu Bayer 04 Leverkusen wechseln wird und Nico Schulz (zu Borussia Dortmund), wollten ebenfalls in ihren letzten Einsätzen dem Club, der sie so stark gemacht hat, noch einmal etwas zurückgeben. Und natürlich ihrem Trainer Julian Nagelsmann.

Alfred Schreuder tritt in Nagelsmanns Fußstapfen

Wird Nachfolger von Julian Nagelsmann als Cheftrainer bei der TSG 1899 Hoffenheim: Alfred Schreuder (46).
Wird Nachfolger von Julian Nagelsmann als Cheftrainer bei der TSG 1899 Hoffenheim: Alfred Schreuder (46).

Das einzige, was Nagelsmann sich anhören lassen muss, ist die Art und Weise, wie Hoffenheim in der Bundesliga-Saison 2018/19 etliche Spiele hergegeben hat.

Insgesamt 29 mögliche Punkte vergab Hoffenheim nach Führungen in dieser Spielzeit. Klar, das ist ein Optimalwert und nicht unbedingt realistisch. Aber selbst absolute Top-Mannschaften vergeigen oft genug deutliche Führungen innerhalb eines Spiels. Schaut man sich die jüngeren Geschehnisse in der Champions League an.

Doch ist die Zahl erschreckend genug, um zu verdeutlichen, was die Hoffenheimer in dieser Saison alles auf der Strecke gelassen haben. Nagelsmann wird die Schlussphase dieser Saison noch ein wenig verfolgen. Sein Vermächtnis hingegen wird bleiben.

Die Nagelsmann-Ära bei der TSG 1899 Hoffenheim geht nun also zu Ende. Bei RB Leipzig erwarten ihn ein Spitzenkader, neue spannende Aufgaben, aber auch ein deutlich größerer Erfolgsdruck. In Hoffenheim wird Alfred Schreuder die Zügel in die Hand nehmen. Der frühere Assistent unter Nagelsmann feierte erst kürzlich als Co-Trainer mit Ajax Amsterdam den Gewinn der holländischen Eredivisie.

Man darf gespannt sein, wie Schreuder die überaus erfolgreiche Arbeit Julian Nagelsmanns weiterführen wird. Denn die Fußstapfen, in die er tritt, könnten kaum größer sein.

TAG24-Redakteur David Frey.
TAG24-Redakteur David Frey.  © TAG24

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