Meinung zu Hanau: Befriedet die Gesellschaft, denn rechter Hass tötet!

Angesichts der Blutnacht in Hanau meint TAG24-Redakteur Florian Gürtler: Politische Eliten und die Zivilgesellschaft sollten sich fragen, woher der rechte, rassistische Hass kommt?

Elf Menschen sind tot – das Massaker von Hanau wird in die Geschichte eingehen.

Kerzen erinnern in der Innenstadt von Hanau an die Opfer des Anschlags.
Kerzen erinnern in der Innenstadt von Hanau an die Opfer des Anschlags.  © Boris Roessler/dpa

Vieles spricht dafür, dass die tödliche Attacke in Hanau die Tat eines von Hass und Verschwörungstheorien beherrschten Mannes war. Doch wer jetzt die schreckliche Bluttat schulterzuckend als die Morde eines irren Einzeltäters abtut, der täuscht sich – wir hatten in letzter Zeit zu viele Einzeltäter.

Der antisemitische Anschlag in Halle und der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke liegen noch nicht lange zurück. Auch die rassistische Attacke im hessischen Wächtersbach im vergangenen Sommer muss hier genannt werden. Einem jungen Afrikaner wurde dabei in den Bauch geschossen, der Mann aus Eritrea wurde schwer verletzt (TAG24 berichtete).

Was alle diese schrecklichen Angriffe verbindet: Es sind ofenbar stets von Hass und rassistischem Gedankengut zerfressene Männer, die zur Tat geschritten sind.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat am Donnerstag darauf hingewiesen, dass derartige Wahnsinnstaten nicht im luftleeren Raum geschehen. Vielmehr wüchsen diese "in einem vergifteten gesellschaftlichen Klima", so der Präsident des Bundestages nach den tödlichen Schüssen in Hanau.

Der CDU-Politiker Schäuble hat damit sicher Recht.

Rechtsextremismus und Rassismus in Deutschland weit verbreitet

TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

Auch der Extremismus-Experte Reiner Becker wies nach der Hanauer Blutnacht darauf hin, dass Rechtsextremismus und Rassismus in Deutschland bis weit in die Mitte der Gesellschaft verbreitet seien (TAG24 berichtete).

Darum reicht es auch nicht, in Reaktion auf das Massaker von Hanau Betroffenheit zu bekunden und es damit bewenden zu lassen.

Die politischen Eliten wie auch die sogenannte Zivilgesellschaft sollten sich vielmehr fragen, woher der rechte, rassistische Hass kommt, der sich eben nicht nur in tödlichen Attacken manifestiert, sondern auch in Hass-Kommentaren im Internet oder in einer kaltschnäuzigen "Last sie doch ertrinken"-Mentalität angesichts des Flüchtlingsdramas im Mittelmeer.

Ein Blick in soziologische Fachliteratur zum Thema "Rechtsruck" ist hier erhellend. Die Autoren Wilhelm Heitmeyer ("Autoritäre Versuchungen") und Cornelia Koppetsch ("Die Gesellschaft des Zorns") zeigen in ihren Arbeiten, dass der rechte Hass nicht vom Himmel gefallen ist.

Rechter Hass ist nicht vom Himmel gefallen

Die Anhänger des rechten Menschenhasses fühlen sich bedroht von Globalisierung und Liberalisierung, von der drohenden Altersarmut und dem drohenden Abrutschen in Arbeitslosigkeit und Hartz IV – und sie fühlen sich alleingelassen vom Staat und seinen Eliten. Sie flüchten sich daher in geschlossene Weltbilder und wandeln ihre Angst in Hass um, der sich gegen Minderheiten ebenso richtet, wie gegen das politische Personal.

Und dieser Hass weitet sich offenbar immer mehr aus. Die politischen Eliten wie die Gesellschaft insgesamt sollten deshalb endlich aufwachen: Nehmt den Menschen die Angst.

Befriedet die Gesellschaft, denn rechter Hass tötet!

Titelfoto: Boris Roessler/dpa, Florian Gürtler

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