Meinung zum "Umweltsau"-Video: Auch Omas dürfen kritisiert werden

Wer das WDR-Video zu einem Generalangriff auf alle Omas und Opas dieses Landes stilisiert, der macht aus einer Mücke einen bis zur Lächerlichkeit aufgeblasenen Elefanten, meint unser Redakteur Florian Gürtler.

Frankfurt am Main - Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) veröffentlicht ein Video und lässt darin einen Kinderchor eine Adaption eines Kinderliedes singen: Eine fiktive Oma wird in dem Song als "Umweltsau" bezeichnet, weil sie sinnlos Motorrad fährt, sich pausenlos Koteletts grillt, mit einem SUV die Luft verpestet und exzessiv auf Kreuzfahrt geht.

Nicht jede Oma ist eine "Unweltsau", doch einige sind es sicher (Symbolbild).
Nicht jede Oma ist eine "Unweltsau", doch einige sind es sicher (Symbolbild).  © 123RF/Jozef Polc

Die Folgen sind inzwischen sattsam bekannt: Ein Shitstorm setzt ein, weil Einige (die sich offenbar gerne empören) einen Generationenkonflikt wittern, gar einer unbotmäßigen Jugend (die in diesem Jahr so oft und so lautstark die Klima- und Umweltsünden der Erwachsenen angeprangert hat) Respektlosigkeit gegenüber den Altvordern unterstellen.

Auch mein Kollege, der TAG24-Redakteur Patrick Hyslop, hat mit einem Kommentar in die Empörung über die vermeintliche "Umweltsau"-Frechheit des WDR eingestimmt.

Nun ist im Laufe der Debatte um das Video sicher hier und da tatsächlich respektlos mit Worten ausgeteilt worden.

Die "Nazisau"-Beschimpfung des WDR-Mitarbeiters Danny Holleck war nichts weiter als Öl, das unnötig ins Feuer gegossen wurde.

Einige werden durchaus zurecht als "Umweltsau" kritisiert

TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

Tatsache ist aber auch: Wer das Kinderchor-Video des WDR zu einem respektlosen Generalangriff auf alle Omas und Opas dieses Landes stilisiert, der macht aus einer Mücke einen bis zur Lächerlichkeit aufgeblasenen Elefanten.

Wenn überhaupt irgendwer sich durch diese Verballhornung eines auch im Original schon herzlich dämlichen Kinderliedes angegriffen fühlen darf, dann sind es ausschließlich solche Omas (und wohl auch Opas), die tatsächlich pausenlos mit dem Motorrad oder SUV durch die Gegend fahren, Unmengen von Koteletts grillen und immer wieder auf Kreuzfahrt gehen (oder wahlweise mit dem Flugzeug um die Welt jetten).

Diese Omas und Opas jedoch dürfen dann zurecht jeweils als "Umweltsau" kritisiert werden – und nicht nur sie.

Der Twitter-Account "Parents For Future" wies völlig richtig darauf hin, dass das Wort "Oma" in dem Lied problemlos durch "Freund*in, Lehrer*in, was-auch-immer" ersetzt werden könnte.

Der Quatsch-Song des WDR ist eine zwar albern verpackte, in der Sache aber völlig richtige Kritik an umwelt- und klimaschädlichen Verhaltensweisen, wie sie leider nach wie vor sehr viele Menschen in Deutschland an den Tag legen.

Der eigentliche Skandal ist, dass der WDR angesichts des Empörungssturms im Wasserglas eingeknickt ist und das Video zurückgezogen hat.

Titelfoto: 123RF/Jozef Polc

Mehr zum Thema Kommentar:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0