Trotz Niederlage im OB-Kampf: Frank Richter tritt bei Landtagswahl an

Dresden/Meißen - Frank Richter will es weiter wissen, nun wieder sachsenweit: Der frühere Bürgerrechtler und ehemalige Direktor der Landeszentrale für politische Bildung tritt zur Landtagswahl an.

Frank Richter will bei der Landtagswahl antreten.
Frank Richter will bei der Landtagswahl antreten.  © Thomas Türpe

„Ich gehe als parteiloser Kandidat für die SPD ins Rennen“, sagte er Tag24 am Montag. Richter (58) wird eigenen Angaben zufolge im Wahlkreis Meißen 3 antreten. Der umfasst die Stadt Meißen, das Umland, Nossen, Weinböhla und Niederau.

Das Ganze hat Brisanz und ist zugleich ein Coup: Richter war bis vor einem Jahr CDU-Mitglied! Erst im September scheiterte der studierte Theologe bei der Meißner Oberbürgermeisterwahl knapp mit 97 Stimmen gegen den Amtsinhaber. Dort war Richter für ein Mitte-links-Bündnis angetreten, das auch von der örtlichen SPD gestützt wurde. Richter ist gebürtiger Meißner.

Während der OB-Wahl hatte er dort seinen Zweitwohnsitz. Unklar bleibt, ob Richter nun auch, wie unlängst angekündigt, zur Stadtratswahl in Meißen im Mai antreten wird. Dann wäre sowieso ein Hauptwohnsitz in Meißen zwingend. Momentan wohnt Richter in Markkleeberg.

Sein Engagement bei der Landtagswahl soll auf betreiben der SPD Sachsen zustande gekommen sein. Zuvor hatte Richter der neuen Vereinigung „Bürgerbewegung für Sachsen“ eine Absage erteilt.

Diese Bürgerbewegung will unter dem Dach der Freien Wähler zur Landtagswahl antreten (TAG24 berichtete).

Richter war früher katholischer Priester an der Dresdner Hofkirche. Später verließ er die römische Amtskirche.
Richter war früher katholischer Priester an der Dresdner Hofkirche. Später verließ er die römische Amtskirche.  © DPA

Frank Richter ist eine echte Person der Zeitgeschichte. Anfang Oktober 1989 gründete er mit anderen Demonstranten auf der Prager Straße die heute legendäre „Gruppe der 20“ – die erste wirklich demokratische Bürgervertretung. Richter war damals katholischer Priester an der Dresdner Hofkirche. Später verließ er die römische Amtskirche.

Er arbeitete als Lehrer, Pfarrer und Seelsorger. 2009 übernahm er die Leitung der Landeszentrale, die er bis 2016 führte. Er machte sich erneut einen Namen als Moderator: diesmal rund um die Auseinandersetzungen zum Gedenken an den 13. Februar 1945 und ab 2015 in Sachen Asyl. Landesweit veranstaltete er dazu Bürgerforen. In der Dresdner Kreuzkirche etablierte er eine Veranstaltungsreihe zum Thema.

Weil er in „seiner“ Landeszentrale als neutralem Ort auch extrem konservative und rechte Gruppierungen zu Wort kommen ließ, verübten mutmaßlich Linksextremisten unter anderem Farbanschläge auf das Haus in Dresden-Trachau.

Ab 2017 arbeitete er für kaum eineinhalb Jahre im Leitungsgremium der Stiftung Frauenkirche in Dresden. Die Führungsposition gab er allerdings im Streit mit den anderen Geschäftsführern auf. Ebenfalls im Unguten schied Richter von der sächsischen CDU!

Bundesweit bekannt wurde er zuletzt durch seine Streitschrift „Hört endlich zu!“ (ullstein), die inzwischen schon mehrere Auflagen erzielte. Richter ist mit einer Journalistin verheiratet.

Titelfoto: Thomas Türpe

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