So viele rechte Angriffe wie noch nie in Thüringen

Erfurt - Die Beratungsstelle ezra hat im vergangenen Jahr so viele rechtsmotivierte Angriffe registriert wie seit Beginn ihrer Zählung vor acht Jahren nicht.

Immer mehr Menschen seien Opfer von rechte Gewalt geworden, so Ezra. (Symbolbild)
Immer mehr Menschen seien Opfer von rechte Gewalt geworden, so Ezra. (Symbolbild)  © DPA

Ezra zählte 162 solcher Fälle - 11 mehr als ein Jahr zuvor, wie die Beratungsstelle am Mittwoch in Erfurt bekannt gab. Dies bedeute einen Anstieg um sechs Prozent. In 90 Fällen - und damit bei mehr als der Hälfte der Angriffe - sei Rassismus das Tatmotiv gewesen, hieß es.

Ezra berät Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen. Nach eigenen Angaben beriet ezra im vergangenen Jahr 186 Menschen. Anders als in der polizeilichen Statistik zählt ezra auch Bedrohungen als Gewalttaten, wenn die Betroffenen angeben, dass die psychischen Belastungen für sie gravierend sind.

Seit 2016 sei die Zahl rechter Gewalttaten auf einem gleichbleibend hohen Niveau, sagte Projektkoordinatorin Christina Büttner und hängt an: "Thüringen ist für bestimmte Gruppen von Menschen nicht sicher, weil sie jederzeit damit rechnen müssen, Opfer eines rechten Angriffs zu werden".

Im Durchschnitt gebe es im Freistaat drei Angriffe pro Woche. Die Beratungsstelle geht aber davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. Am größten war der Anstieg rechter Gewalttaten nach der ezra-Zählung in Eisenach und im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. In Erfurt gab es zwar die meisten rechtsmotivierten Angriffe - mit 25 allerdings deutlich weniger als noch im Jahr 2017, als ezra 42 Angriffe in der Landeshauptstadt zählte.

Die Beratungsstelle zählte im vergangenen Jahr auch sieben Angriffe auf Journalisten, drei auf politische Verantwortungsträger und zwei antisemitische Gewalttaten. Viele Angriffe würden im öffentlichen Raum verübt, etwa an Bahnhöfen. Es gebe aber auch Angriffe im Wohnumfeld der Betroffenen. Ezra fordert daher Schutzwohnungen in Thüringen, wo Betroffene schnell unterkommen können.

Ezra erfasst nur verübte Gewalttaten. Nach Einschätzung der Beratungsstelle ist aber gerade im Internet Antisemitismus weit verbreitet, etwa in Sozialen Netzwerken.

Titelfoto: DPA

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