Pokalhelden, Wahlsieger, Gleichheitskämpfer: Das sind Hessens Menschen des Jahres 2018

Wiesbaden - Einige Menschen haben dem Jahr 2018 in Hessen ihren ganz besonderen Stempel aufgedrückt. Die einen, weil sie ihr Regierungsprojekt fortführen können, die anderen, weil sie die Fußballfans nicht nur in Frankfurt begeisterten. Eine subjektive Auswahl:

Niko Kovac gewann vor seinem Abgang den DFB Pokal mit der Eintracht - gegen seinen neuen Arbeitgeber FC Bayern München.
Niko Kovac gewann vor seinem Abgang den DFB Pokal mit der Eintracht - gegen seinen neuen Arbeitgeber FC Bayern München.  © DPA

Niko Kovac, Pokalsieger-Trainer von Eintracht Frankfurt:

Für Niko Kovac hätte der 19. Mai nicht mehr Brisanz bringen können. Pokalfinale, Ende eines Weges bei Eintracht Frankfurt, Duell mit dem zukünftigen Verein FC Bayern München. Wütende Fans der Hessen hatten schon leidenschaftlich gegen Kovac gewettert, als dessen Wechsel zu den Münchnern recht kurzfristig öffentlich wurde. Doch der Deutsch-Kroate sollte sie alle und die ganze Stadt Frankfurt versöhnen: mit dem ersten Pokalsieg seit genau 30 Jahren.

"Es ist immer am schönsten, wenn man mit einem Erfolg geht", sagte der gerührte Kovac. Am Ende eines emotionalen Abends im Berliner Olympiastadion flossen bei ihm die Tränen. Nach seinem Wechsel von der Eintracht zum deutschen Rekordmeister in diesem Sommer merkte er schnell, wie das Fußball-Business auch sein kann.

Ansgar Wucherpfennig, Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt:

Ansgar Wucherpfennig kann sich die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und die Weihe von Frauen in der katholischen Kirche vorstellen. Dafür ist der liberale Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt vom Vatikan abgestraft worden. Monatelang wurde ihm nach seiner Wiederwahl die notwendige Lehrerlaubnis verweigert. Erst nach einer Solidaritätswelle für Wucherpfennig gab Rom Mitte November überraschend nach und erteilte die Unbedenklichkeitserklärung.

Der Pater bleibt kämpferisch und fordert, dass über alle Tabus in der Kirche geredet werden müsse. Papst Franziskus hatte einst als Padre selbst einmal einige Monate an der Hochschule St. Georgen geforscht.

Bilden erneut die hessische Regierungskoalition: Ministerpräsident Volker Bouffier (Li.) und Grünen-Chef Tarek Al-Wazir.
Bilden erneut die hessische Regierungskoalition: Ministerpräsident Volker Bouffier (Li.) und Grünen-Chef Tarek Al-Wazir.  © DPA

Volker Bouffier und Tarek Al-Wazir, Politiker:

Ministerpräsident Volker Bouffier und sein Stellvertreter Tarek Al-Wazir steuern auf eine Neuauflage der schwarz-grünen Regierungskoalition zu. Dabei hilft es, dass der 66-jährige CDU-Chef und sein rund 20 Jahre jüngerer Partner von den Grünen inzwischen gut miteinander auskommen. Man kennt sich, man respektiert sich. Beide sind keine parteipolitischen Hardliner und stehen daher auch persönlich für den Erfolg von Schwarz-Grün in den vergangenen fünf Jahren.

In seiner Zeit als Innenminister galt Bouffier als "Schwarzer Sheriff", jedoch hat sich der gebürtige Mittelhesse gewandelt. Er steht inzwischen eher für eine Politik, die viele Menschen mitnehmen möchte. Al-Wazir ist mit dem Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten gereift. Als brillianter Redner verteidigt er das Handeln der Regierung bei seinen Auftritten im Landtag ebenso gekonnt, wie er es in den Jahren zuvor als Oppositionspolitiker angeprangert hatte.

Sabine Schormann, neue documenta-Geschäftsführerin:

Schlechte Kritiken, Defizit, Ermittlungen gegen Verantwortliche - die documenta ist durche eine ihrer schwersten Krisen gegangen. Ein neues Gesicht soll die bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst nun wieder in ruhiges Fahrwasser bringen: die 56-Jährige Sabine Schormann. Ihr Amt trat die neue documenta-Generaldirektorin im November eher unaufgeregt und leise an. Doch hinter den Kulissen baut sie die gemeinnützige documenta GmbH bereits seit Monaten um.

Die erste große Bewährungsprobe wartet auf die promovierte Germanistin im Frühjahr: Ein Leiter für die nächste Schau im Jahr 2022 muss gefunden und präsentiert werden. Dabei steht Schormann unter doppelter Beobachtung: Die Politik wird beim Budget der kommenden Ausstellung genau hinschauen. Die Kunstszene wird dagegen kritisch beäugen, ob die documenta sich frei von politischen Einflussnahmen halten kann.

Erzielte gegen Düsseldorf einen sensationellen Fünferpack: Eintracht-Stürmer Luka Jovic.
Erzielte gegen Düsseldorf einen sensationellen Fünferpack: Eintracht-Stürmer Luka Jovic.  © DPA

Kristina Hänel, Kämpferin für ein liberaleres Abtreibungsrecht:

Die Gießener Ärztin wehrt sich öffentlichkeitswirksam gegen ihre Verurteilung wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche - und stößt damit eine hitzige Debatte um Änderungen im Abtreibungsrecht an, die auch die Berliner Politik erreicht. Ihr Anliegen: Der Paragraf 219a des Strafgesetzbuches gehört gestrichen. Dieser untersagt das öffentliche Anbieten, Ankündigen oder Anpreisen von Schwangerschaftsabbrüchen.

Kristina Hänel wurde bereits 2017 zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt, weil sie auf ihrer Internetseite Abtreibungen als Leistung angeboten hatte. Das Landgericht Gießen bestätigt im zurückliegenden Oktober das Urteil. Doch die Ärztin gibt nicht auf: Sie halte es für eine ihrer Hauptaufgaben als Medizinerin, sagt Hänel, ihre Patienten zu informieren. Mit ihrem Fall muss sich nun das Oberlandesgericht Frankfurt befassen.

Luka Jovic, Fünffach-Torschütze der Eintracht:

In ihrer langen und traditionsreichen Geschichte hat Eintracht Frankfurt viele großartige Torjäger hervorgebracht: Bernd Hölzenbein beispielsweise - oder Jürgen Grabowski. Aber den ersten Fünferpack eines SGE-Stürmers in der Bundesliga, den erzielte dann doch der 21 Jahre alte Luka Jovic aus Serbien.

"Natürlich ist das etwas Besonderes. Ich bin sehr stolz", sagte der glückliche Jovic. Den Ball nahm der stolze Stürmer nach dem 7:1-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf mit und schenkte ihn seinen Eltern, sein Trikot mit der Nummer acht wurde im vereinseigenen Museum verewigt.

Der erfahrene Eintracht-Coach Adi Hütter lobte: "Solche Stürmer habe ich selten gesehen." Mit Sebastien Haller und Ante Rebic hat Hütter zwei weitere solche Diamanten.

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