Kann Kramp-Karrenbauer Kanzlerin?

Hamburg - Mit 517 Stimmen wurde Annegret Kramp-Karrenbauer (56) am Freitagnachmittag auf dem Parteitag der CDU in Hamburg als neue Parteichefin gewählt. Damit endete nach 18 Jahren die Ära von Angela Merkel (64) als Vorsitzende.

Annegret Kramp-Karrenbauer (56) hielt eine angriffslustige Rede auf dem CDU-Parteitag.
Annegret Kramp-Karrenbauer (56) hielt eine angriffslustige Rede auf dem CDU-Parteitag.

Doch sie will weiter Bundeskanzlerin bleiben, bis 2021. Das ist für Christdemokraten eine höchst ungewöhnliche Situation, die es bis auf drei Jahre (1963-1966, Ludwig Erhard) so nicht gab: Immer war der/die Bundeskanzler/in auch Parteichef/in. Zuletzt eben Merkel - seit 2000 Vorsitzende, seit 2005 Kanzlerin.

Der Vorteil scheint eigentlich klar: Man hat die größtmögliche Macht. Und wenn man die verschiedenen Strömungen in seiner Partei klug und diplomatisch vereinen kann, auch einen sehr großen Rückhalt. Das sorgt insgesamt für Stabilität.

Krassestes Beispiel in der christdemokratischen Geschichte war Konrad Adenauer (1876-1967), der als Patriarch mit autoritärem Führungsstil galt. Die CDU wurde damals als "Kanzlerwahlverein" verspottet.

Doch das war in seiner Amtszeit von 1949 bis 1963. Seitdem haben sich die Zeiten und Verhaltensweisen grundlegend geändert.

Kann Kramp-Karrenbauer Kanzlerin?

Wird AKK (li.) Bundeskanzlerin Angela Merkel beerben, die nach 18 Jahren den Parteivorsitz abgab?
Wird AKK (li.) Bundeskanzlerin Angela Merkel beerben, die nach 18 Jahren den Parteivorsitz abgab?  © DPA

Die 56-Jährige gilt als Merkel-Vertraute und wird der Kanzlerin bis zum geplanten Ende ihrer Amtszeit 2021 sicherlich nicht in die Quere kommen.

Regierungserfahrung hat sie reichlich: Von August 2011 bis Februar 2018 war sie Ministerpräsidentin des Saarlandes. Danach wechselte sie nach Berlin und ist seitdem Generalsekretärin der CDU.

Die Landtagswahl 2017 gewann sie mit 40,7 Prozent überraschend deutlich vor der SPD, bei der Wahl zur Generalsekretärin am 26. Februar 2018 erhielt sie 98,87 Prozent der Stimmen. Das zeigt, dass sie von ihrer Partei sehr geschätzt wird.

Das könnte ihr zu einer starken Position in Deutschland verhelfen, und damit auch im internationalen Polit-Geschäft sehr dienlich sein. Sie strahlt Bodenständigkeit aus, man weiß aber, dass sie auch hart in der Sache sein kann. Muss sie auch.

AKK erhielt 517 Stimmen, 500 waren notwendig. Merz bekam 482 Stimmen. Der dritte Bewerber, Gesundheitsminister Jens Spahn (38), war bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden. Er erreichte nur 157 Stimmen (15,72%), während AKK auf 450 kam (45,05%) und Merz 392 Delegierte für sich gewinnen konnte (39,24%). Dadurch wurde eine Stichwahl notwendig (TAG24 berichtete).

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