Weil sie sich trennen wollte, stach er auf sie ein

Lübeck - Vor dem Lübecker Landgericht muss sich ein 44-jähriger Mann für eine Messerattacke auf seine Frau und deren Vater verantworten.

Der Angeklagte mit seinem Anwalt beim Prozessauftakt.
Der Angeklagte mit seinem Anwalt beim Prozessauftakt.  © DPA

Staatsanwältin Anne Bobeth hielt am Donnerstag vor dem Lübecker Landgericht versuchten Mord aus niedrigen Beweggründen und gefährliche Körperverletzung für erwiesen. Der aus Syrien stammende Angeklagte "wollte den Tod beide", weil sich seine erst 20 Jahre alte Frau endgültig von ihm trennen wollte, sagte die Anklägerin.

Beide Opfer wurden bei der Bluttat im Oktober 2017 lebensgefährlich verletzt (TAG24 berichtete). Sie konnten nur durch Notoperationen gerettet werden. Noch heute leiden sie physisch und psychisch an den Folgen der Tat, sagte Bobeth.

Die Staatsanwältin schilderte im Plädoyer noch einmal das Geschehen am Tatort. Demnach servierte der Angeklagte seiner Frau und ihrem Vater noch Tee.

Er stach zu, als die 20-Jährige erklärte, ihre Trennungsabsicht sei endgültig und - unterstützt vom Vater - begann, ihre Sachen zu packen.

Der Mann muss sich jetzt vor dem Lübecker Landgericht verantworten.
Der Mann muss sich jetzt vor dem Lübecker Landgericht verantworten.  © DPA

"Sie war nur ein Objekt für ihn", sagte die Staatsanwältin. Er habe "exklusives Besitzrecht" über sie gefordert: "Außer mir soll dich kein anderer haben!". Ihre Eltern seien ihm dabei im Weg gewesen, deswegen wollte er "den Vater beseitigen", sagte Bobeth.

Zuerst attackierte der Angeklagte den Angaben zufolge den Vater, dann auch die junge Frau, bevor er auch auf sich selbst einstach. Vater und Tochter sind Nebenkläger in dem Verfahren.

Der 44-Jährige hatte zu Prozessbeginn die Messerattacke gestanden. Über seinen Verteidiger ließ er erklären, er habe seine Frau und deren Vater aber nicht töten wollen. Das Paar war nach Angaben der Staatsanwältin 2015 aus Syrien nach Deutschland eingereist und beantragte hier Asyl. Das Verfahren läuft demnach noch.

Bobeth ging - im Gegensatz zum Verteidiger - von der vollen Schuldfähigkeit des 44-Jährigen zur Tatzeit aus. Es gebe keine Anzeichen einer Affekttat, sagte sie.

Die Reue und das Bedauern, das der Angeklagte im Prozess über die Tat geäußert habe, nahm die Staatsanwältin ihm nicht ab, wie sie sagte. Er bedaure vor allem sich selbst und sehe sich als Opfer.

Nach dem Willen der Anklage soll der Mann neun Jahre in Haft. Der Verteidiger plädierte wegen gefährlicher Körperverletzung auf eine Freiheitsstrafe von maximal fünf Jahren. Das Urteil soll am 11. Juni verkündet werden.


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