Augenzeugin schildert Messer-Tat von Beucha: "Ihr Ex hat angefangen, auf ihn einzuschlagen"

Beucha - Am Samstagabend wurde ein 17-Jähriger am Bahnhof Beucha niedergestochen (TAG24 berichtete). Eine Augenzeugin hat nun die dramatischen Minuten des Vorfalls geschildert.

Der 17-Jährige erlitt drei Messerstiche in Oberschenkel und Hals.
Der 17-Jährige erlitt drei Messerstiche in Oberschenkel und Hals.  © privat

"Ich habe mich mit einer guten Freundin am Bahnhof in Beucha getroffen", schildert die Zeugin, die ihren Namen nicht genannt haben möchte, den Abend. Auch der Ex ihrer Freundin, der mutmaßliche Täter, sei vor Ort gewesen. Später sollen sich noch Bekannte zu ihnen gesellt haben.

"Wir haben dann mitbekommen, dass ihr Freund (das 17-jährige Opfer, Anmerkung der Redaktion) am Bahnhof war, von ihrem Ex angepöbelt und dann mit Steinen beworfen wurde." Der 17-Jährige habe versucht, die Situation verbal zu lösen, "doch das ging leider nach hinten los, ihr Exfreund hat angefangen auf ihn einzuschlagen und dann haben wir mitbekommen, dass er ein Messer hatte. Meine Freundin und ich sind dazwischen gegangen. Als sich die Zwei auf dem Boden wälzten, versuchte ich sie auseinander zu drücken, leider erfolglos."

Die Zeugin habe dem mutmaßlichen Täter daraufhin "eine drüber gehauen", wie sie selbst sagt. Dabei sei das Messer verloren gegangen, die beiden Jugendlichen ließen voneinander ab.

"Der Täter hatte dann versucht, wieder auf ihn loszugehen. Daraufhin bin ich zu ihm gegangen und habe gesagt: Wenn er seine Ex-Freundin liebt, dann unterlässt er das jetzt und hält sich von der ganzen Situation fern. Daraufhin hat er dann auch locker gelassen."

Messer-Attacke in Beucha: "Alle haben nur dagestanden und zugeschaut"

Der mutmaßliche Täter wurde noch am Tatort festgenommen.
Der mutmaßliche Täter wurde noch am Tatort festgenommen.  © Sören Müller

Nachdem sich die Situation beruhigt hatte, habe sie Blut an der Hose des 17-Jährigen entdeckt. "Ich habe ihm gesagt, er soll sich hinsetzen und seine Hose ausziehen. Dann war uns aufgefallen, dass er Stichwunden an seinem Oberschenkel und am Hals hat und sie nicht aufhörten zu bluten."

Die Freunde sollen versucht haben, die Blutung zu stoppen. "Wir sind zu einem Auto gegangen, um einen Erste-Hilfe-Kasten zu organisieren. Darin saß eine Frau und sagte, sie müsse auf jüngere Kinder warten." Die Frau habe sich geweigert aufzumachen. "Da bin ich um den Wagen gegangen und habe versucht, die Tür irgendwie zu öffnen. Als mir dies jedoch nicht gelang, blieb uns keine andere Wahl, als die Scheibe einzuschlagen. Mit dem Erste-Hilfe-Kasten konnten wir dann die Wunden abbinden, so gut es ging."

Erst nach einer gefühlten Ewigkeit sei ein Krankenwagen eingetroffen. Der mutmaßliche Täter habe sich in der Zwischenzeit bei dem Opfer entschuldigt. "Als das passiert ist, haben auch Leute aus einem Zug Fotos von uns gemacht. Während des Unglücks haben alle nur daneben gestanden und zugeschaut."

Der 17-Jährige wurde daraufhin zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Wie seine Mutter bereits am Sonntag mitteilte, befindet er sich bereits auf dem Weg der Besserung.

Der mutmaßliche Täter wurde später durch die Polizei festgenommen. Der zuständige Ermittlungsrichter erließ am Sonntag Haftbefehl gegen ihn wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Totschlags. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft. Laut Leipziger Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen 16-jährigen Flüchtling aus Syrien.

TAG24 hat wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung bei der Leipziger Staatsanwaltschaft nachgefragt. Ein solcher Sachverhalt soll dort allerdings nicht vorliegen.

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